Arthouse
Die Regieanweisungen in Hjalmar Söderbergs «Gertrud» sind äußerst akkurat. Keine schlichten Hinweise, dass man sich etwa in einem Salon befände, nein, jede bauliche Eigenart, jedes Einrichtungsstück von besagtem Salon wird genau beschrieben. «Über der Kommode: ein Empirespiegel mit Haltern für zwei Kerzen.» Zwei Kerzen, wichtig.
Weil aber Annette Kurz und Karl Graklev in der Hamburger Thalia-Außenstelle Gaußstraße die Bühne nackt gelassen haben bis auf ein Klavier, einen Hocker, drei Stühle, einen Tisch mit Champagnergläsern sowie einer Kamera (von der noch zu reden sein wird), weil also die im Stück überaus genau gezeichnete Ausstattung hier auf ein Theater trifft, dessen Ausstattungskonzept extrem sparsam ist, startet Eirik Stubøs «Gertrud»-Inszenierung gleich mit einem hübschen Verfremdungseffekt: Ein Darsteller tritt an die Rampe und erzählt, was es eben nicht zu sehen gibt.
Das ist hübsch, weil es mit Söderbergs Jahrhundertwende-Realismus bricht; es ist aber nur ein Effekt, keine wirkliche Auseinandersetzung mit dem Stoff. «Gertrud» ist ein 1906 veröffentlichtes Emanzipationsdrama, inhaltlich verwandt mit Ibsens rund ein Vierteljahrhundert älterem «Nora oder Ein Puppenheim»: ...
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Theater heute Februar 2015
Rubrik: Chronik Hamburg, Seite 50
von Falk Schreiber, Barbara Burckhardt
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