Mach mich nass!
Eine schmucke kleine Hochzeitsgesellschaft, vielleicht irgendwo auf dem Balkan, wo das legendäre Illyrien liegen soll, vielleicht auch bloß beim Griechen in Bochum-Stiepel. Die Braut trägt Weiß, der Vater des Bräutigams packt langen Unsinn in eine kurze Rede, der Kellner ist nervös, der Bräutigam gibt sich Mühe, nett zu sein. Bis dahin ist alles korrekt (abgesehen davon, dass man im falschen Stück zu sein glaubt). Dann aber geschieht Sonderbares. Die Braut gießt ihr Weinglas voll bis zum Überlaufen, wirft dem Bräutigam Sahne ins Gesicht, tickt aus.
Roger Vontobel lässt in einem frei erfundenen Vorspiel einige Shakespeare-Verse zitieren, aber auch (beiläufig) Lars von Triers Film «Melancholia», wo die Braut auf einem mondänen Hochzeitsfest in großem Stil in die Depression entgleitet. Es geht in dieser Aufführung nun sehr rabiat zur Sache. Die Braut verschwindet kurz und kehrt mit einem Feuerwehrschlauch zurück, spritzt die Gesellschaft samt Bräutigam einfach weg. Das ist kein neckisches Spielchen mehr, auch keine bizarre Pointe, sondern ein Akt der Gewalt.
Jana Schulz zwischen den Polen
Die widerspenstige Braut verwandelt die Bühne (Claudia Rohner) mit ihrem Schlauch in ein Meer und ...
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Theater heute Januar 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 30
von Martin Krumbholz
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Jean Genets Reaktion auf die Uraufführung 1957 am Londoner Arts Theatre legt nahe, dass Peter Zadek damals ziemlich prall und heftig inszeniert haben muss. Der Regisseur, so Genet, habe weder den Geist noch den Text des Stückes geachtet, und überdies erwecke die Inszenierung den Eindruck, er, also Genet, «sei ein Skandalmacher und Pornograf». Donnerwetter, kann...
Letzte Nacht habe ich nicht geschlafen, weil am Ende meiner Straße so viele Hunde heulten. Am nächsten Morgen heißt es im Radio, dass es 18.000 von ihnen gibt. 18.000 streunende Hunde in einer Stadt. Als ich aus dem Fenster blicke, wühlt jemand in der Mülltonne. Die Tonnen stehen immer offen, auch wenn sie einen Deckel haben. Es ist ein Roma, der wahrscheinlich...
