«Hier stehe ich, ich kann nicht anders»
Es gibt diese Bemerkung von Furio Colombo aus Pasolinis letztem Interview: «Die Situation, die du ständig anprangerst, sie ist es letztlich, die dir erlaubt, Pasolini zu sein.» Man ist als Künstler auf den Widerstand angewiesen, an dem man sich reibt. Es ist unsere Aufgabe, die Grenzen der Kunst immer weiter auszudehnen: neue, noch unbekannte Akteure zu erfinden, utopische Räume zu öffnen, die Realität um das zu erweitern, was ihr fehlt, im Positiven wie im Negativen.
Es gibt kein Tribunal gegen globale Wirtschaftsverbrechen, also haben wir es mit dem «Kongo Tribunal» geschaffen – mitten im Bürgerkriegsgebiet. Wenn es dann zu Entführungen kommt, dann muss man das hinnehmen. In «Five Easy Pieces» dagegen geht es um eine Selbstbefragung des Theaters: Was geschieht, wenn wir Kinder dem Voyeurismus und der – sexualisierten – Gefühls- und Authentizitätsproduktion der Bühne auszusetzen? Wenn sich daraus eine Debatte über Nacktheit und Pädophilie entwickelt, muss man diese führen.
Die künstlerische Geste – und damit auch ihre potenzielle Grenzenlosigkeit – beruht auf zwei Legitimationen, die untereinander zusammenhängen. Denn was mir am postmodernen Aktivismus und an der Polit-Satire ...
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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Grenzen der Kunstfreiheit, Seite 52
von Milo Rau
In der Vorbereitungszeit auf die Intendanz von Andreas Beck am Theater Basel wurde das neue Team ab und zu in einem Hotel am Bahnhof SBB untergebracht, dessen Frühstücksraum im 8. Stockwerk liegt und bei schönem Wetter einen Blick bis zu den Höhen von Vogesen und Schwarzwald erlaubt. Lenkt der Frühstücksgast seinen Blick nicht in die Ferne, sondern einfach...
Sie wolle etwas Heiteres schreiben, ihr sei nach Komödie, soll Elfriede Jelinek angekündigt haben, und nach den schweren Texten, die in letzter Zeit aus ihrer Feder kamen, wie «Die Schutzbefohlenen», in dem sie sich unermüdlich am Flüchtlings-Thema abarbeitete, oder «Wut», in dem sie die Anschläge von Paris thematisierte, nahm sie sich das Thema Mode vor.
Auch laut...
Die erste Entscheidung war die schwierigste: einem Stück den Titel «Adolf Hitler: Mein Kampf, Band 1&2» zu geben. Als die Uraufführung näherrückte, kamen Anrufe von Journalisten, auch aus dem Ausland. «Rechnen Sie mit einem Skandal?» – «Nö.» – «Aber das wird doch sicher Wellen schlagen, gibt es schon Gegenwind?» Antwort: «Nö.»
CNN hatte sich zum Filmen angemeldet,...
