Das Risiko zur Frage machen
Die erste Entscheidung war die schwierigste: einem Stück den Titel «Adolf Hitler: Mein Kampf, Band 1&2» zu geben. Als die Uraufführung näherrückte, kamen Anrufe von Journalisten, auch aus dem Ausland. «Rechnen Sie mit einem Skandal?» – «Nö.» – «Aber das wird doch sicher Wellen schlagen, gibt es schon Gegenwind?» Antwort: «Nö.»
CNN hatte sich zum Filmen angemeldet, vorsorglich. Man hätte sie nutzen können, diese Option auf Sturm, dass es Bewegung gebe in der Frage, um die es dem Projekt ging, und dann wäre das – eine «Debatte». Nö.
«Hitler verkauft immer» – das ist die Logik, der die Anrufe folgen. Und dass unserem Stück dieselbe Logik teilunterstellt wurde, das war dann der einzige ärgerliche Gegenwind zu unserem Stück. Aber eigentlich nicht der Rede wert, weil er eine Projektion des Mechanismus Schlagzeile/Auflage auf Theaterprojekte ist. Die man verstehen kann, die aber dennoch nicht greift.
Im Gegenteil: Es ging darum, eine Grenze zu übertreten, die wir für uns selbst sahen – trotz des Risikos einer solchen Debatte und nicht mit den Medien im Blick. Die Grenze bestand darin, beizutragen zur Aufmerksamkeit für so etwas wie Hitlers Buch. Es ging darum, sich eines Common Sense ...
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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Grenzen der Kunstfreiheit, Seite 78
von Daniel Wetzel
Impressum
Die Theaterzeitschrift
im 57. Jahrgang
Gegründet von
Erhard Friedrich und Henning Rischbieter
Herausgeber
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion
Eva Behrendt
Barbara Burckhardt
Franz Wille (V.i.S.d.P.)
Redaktionsbüro
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Gestaltung
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Designkonzept
Ludwig Wendt Art Direction
Redaktionsanschrift
Nestorstr. 8–9, 10709...
Sie wolle etwas Heiteres schreiben, ihr sei nach Komödie, soll Elfriede Jelinek angekündigt haben, und nach den schweren Texten, die in letzter Zeit aus ihrer Feder kamen, wie «Die Schutzbefohlenen», in dem sie sich unermüdlich am Flüchtlings-Thema abarbeitete, oder «Wut», in dem sie die Anschläge von Paris thematisierte, nahm sie sich das Thema Mode vor.
Auch laut...
Kein anderer Dramatiker lässt auf der Bühne so ekelhafte Grausamkeiten begehen wie der irischstämmige Martin McDonagh: Es wird gefoltert, was das Zeug hält, Körperteile werden abgeschnitten und Katzen erschossen. Nur erhängt wurde noch niemand – bis zu dem neuen Stück «Hangmen» («Die Henker»), geschrieben nach einer langen, viel zu langen Pause, die sich der Autor...
