Der Druck im Brustkorb steigt
Ein großbürgerliches Wohnzimmer unserer Zeit. Altbau. Europa. Die Leute, die hier wohnen, haben Geschmack, sie verbinden gekonnt Modernes mit Altem, sie haben genug Geld, aber es muss auch nicht alles perfekt sein. Ikea trifft Biedermeier und Charles Eames und Flohmarkt. Sie lesen Bücher, sie haben studiert.» Pointiert skizziert Roland Schimmelpfennig den Lifestyle einer Bevölkerungsschicht, die einem nur allzu bekannt vorkommt.
Ähnliche Betrachtungen, Befunde, Gedanken ziehen sich durch das gesamte Stück und sind als mögliche Texte für das Figurenpersonal gedacht: «Die Leute, die hier wohnen, haben in ihrem Leben niemals eine konservative Partei gewählt. Sie sind nicht älter als Mitte Vierzig, können aber jünger sein. Vielleicht sind sie erst Ende Dreißig. Sie sind dort angekommen, wo sie hinwollten.» Wir dürfen den Bewohnern Berlin-Mittes oder Prenzlauer Bergs, den Kreativen dieser Stadt, ins Wohnzimmer schauen – als Abrechnung, Rechtfertigung, Freisprechung oder schlicht Nabelschau?
Die Handlung beginnt kurz vor Weihnachten. Albert und Bettina, gutsituiert und Eltern eines achtjährigen Mädchens, sind «mehr als gereizt»: Es steht der Besuch von Bettinas Mutter Corinna bevor. Das ...
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Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 191
von Sonja Anders
Das 20. Jahrhundert ist zu Ende, doch an der Last dieses wirren Zeitalters tragen wir noch immer, an seinem Nachlass aus politischen und religiös-fundamentalistischen Ideologien, am Erbe von Kriegen, Revolutionen und Diktaturen, an mörderischer Gewalt und neuen globalen Gefahren. Die Epoche von Verdun und Stalingrad, Auschwitz und Gulag, Hiroshima und Tschernobyl...
Immer wieder fällt das Wort Zombie. Und ein anderes: Gespenst. Von «eiskalten weißen Gespenstern» und «Seelen ohne Körper, die besessen sind, ihr (weißes) Erbgut weiterzugeben» ist da unter anderem die Rede. Und von Massen von schwarzen Zombies. Leichenberge, die wie Eisberge im Mittelmeer schwimmen. Nur dass es im Mittelmeer keine Eisberge gibt und stattdessen...
TH Das Theater lebt von Konflikten. Dabei wird leicht übersehen, dass Konflikte nicht nur trennen, sondern auch verbinden: Man ist sich zumindest über das Problem einig. Wir wollen aber einen Schritt weitergehen und ganz direkt nach Konsens fragen. Was ist der Konsens-Kitt in unserer hoch arbeitsteiligen, funktional differenzierten Gesellschaft, was hält 80...
