Evidenz in großen Dosen
Wenn man betrachtet, woraus totalitäre Systeme ihre Kraft bezogen haben, dann war das zuallererst die Zerstörung von bestehenden Sozialbeziehungen.» Diese Sentenz aus Harald Welzers Oppositionsratgeber «Selbst denken – Eine Anleitung zum Widerstand» flimmert zum Auftakt von Tilmann Köhlers Horváth-Adaption «Jugend ohne Gott» in den DT-Kammerspielen über die vierte Wand. Horváths 1937 erschienener Roman schildert anhand eines Mordfalls in einem vormilitärischen Ausbildungslager, wie ethische Werte in pubertierenden Jungsköpfen von faschistischen Ideologemen verdrängt werden.
«Es könnte sein», warnt Welzer auf der Bühnenwand weiter, «dass der heutige Totalitarismus ausgerechnet im Gewand der Freiheit auftritt: in jedem Augenblick alles haben und sein zu können, was man haben und sein zu wollen glaubt.»
Einfache Antworten, bitte!
Steile These – deren analytische Abklopfung bei Köhler nach dem Intro allerdings nicht beginnt, sondern erstaunlicherweise bereits beendet ist. Dafür, ob – und wenn ja, in welchen strukturellen Details genau – die Unterordnung unter diktatorische Systeme tatsächlich mit der freiwilligen Anpassung an ein «hochmodernes Gehäuse der Hörigkeit» vergleichbar wäre, ...
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Theater heute Februar 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Christine Wahl
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