Die Politik wird ideologisch
Über Russlands Kunst ist Grauenvolles hereingebrochen – die Regierung hat 2014 zum «Jahr der Kultur» erklärt. Noch Schrecklicheres widerfährt gerade dem russischen Theater: Die «Vertikale der Macht» beginnt, Interesse an ihm zu entwickeln sowie – Herr im Himmel, ist es ein Traum? – das Staatsfernsehen. Vor kurzem noch regierte im Theater politische und ästhetische Freiheit, einfach deshalb, weil es der Macht absolut marginal erschien. Das heimische Fernsehen schenkte Theaterregisseuren bisher so viel Aufmerksamkeit wie Freizeitgruppen, die sich mit Makramee befassen.
Plötzlich aber erinnert man sich gleich auf mehreren Fernsehkanälen der bescheidenen Diener der Melpomene. Der verhasste Solosänger des Putin-Regimes, Dmitrij Kissiljew, hat dem Theater in seinen «Westi nedelij» (Nachrichten der Woche), der wichtigsten analytischen Wochensendung unseres Hauptkanals «Rossija» (Russland), gleich mehrere
Beiträge gewidmet. Nach Berichten über schreckliche Aufrührer von Bandera-Format* und antirussische Ausfälle des Westens erklärte er den Zuschauern die Schädlichkeit des «experimentellen Theaters», unerträglich in der Form und gefährlich im Inhalt. Darüber, wie schädlich das ...
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Theater heute Mai 2014
Rubrik: Ausland, Seite 4
von Marina Davydova
Berlin,
Ballhaus Naunynstraße
7. Abdel-Maksoud, Kings (U)
Regie Nora Abdel-Maksoud
Berlin, SophiensÆle
16.–18. Morris, Feminine Fun Studies
Regie Chuck Morris
23.–28. Interrobang,
Preenacting Europe
Performance von und mit Till Müller-Klug, Nina Tecklenburg, Lajos Talamonti,
Ekkehard Ehlers
29.–31. Koikate, Ich bin Viele
(Die kleine Meerjungfrau)
Performance von und mit...
Neue Stücke
Roland Schimmelpfennig, Profijongleur paralleler Erzählstränge, hat nach längerer Pause ein neues Stück geschrieben. «SPAM» heißt das Drama um zwei Unglücksfälle: Eines ereignet sich unter ausgebeuteten Afrikanern beim Abbau des Handyrohstoffs Coltan, eines unter Handybenutzern, die in einem U-Bahnzug der westlichen Welt ins Verderben donnern. Die...
Auf dem Spielplatz gab es doch immer diese Jungs, die Quartettkarten vor sich auf den sandigen Boden knallten. Mit einem routinierten «Reichweite 4.800 km» oder «Fluggeschwindigkeit 3.500 km/h sticht» spielten sie Kampfjets (wahlweise Panzer oder Wildtiere) gegeneinander aus. Dasselbe vertraute Stimmungskonglomerat aus Klugscheißerei, bürokratischem Eifer und...
