Lied der Dienstpistole
Ein Lagerfeuer in der Bühnenmitte. Abiturienten tanzen, angeheizt von einem Akkordeonspieler mit russischem Soldatenkäppi. Rechts stehen massige Pfeiler im Bogen bis zur Hinterbühne. Gedämpftes Licht. Einen Vorhof zur Unterwelt – halb Kanalisation, halb Flussbett – hat Stefan Heyne auf die Bühne des Staatsschauspiels gebaut. An ihrem äußeren Rand hängt eine Messlatte. Statt Pegelständen zeigt sie die Jahre an, in denen sich das Drama «Vom Fluss» vollzieht: 1959, 1988, 1999.
Das zielt haarscharf vorbei an markanten Geschichtsdaten und darf also als ein Versprechen gelten, mal etwas mehr zu zeigen als die üblichen Konfliktstellen aus der DDR-Vergangenheit?
Ödipus beim KGB
Keineswegs. Was hier nach DDR riecht, ist eigentlich nur eine Fußnote in einem größeren Projekt der Mythenpflege. Hinter den Garagentoren über den Brückenpfeilern grüßt kein Trabi 601 S de Luxe, sondern der Stadtkommandant Wassiljew in gleißend rotem Licht, der mit priesterlichem Pathos ein Neugeborenes mordet. Auch der imposante Wandteppich oberhalb der Garagen, mit dem Fürstenzug der Sachsenherrscher aus der Augustusstraße, soll kaum den Dresden-Reisenden in uns beglücken. Er signalisiert vielmehr, dass es an ...
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Wer Hans Christian Andersens anlässlich seines 200. Geburtsjahres gedenkt, dem fallen zwar Streichholzmädchen, Seejungfrauen und Schneeköniginnen ein, aber keine einzige Dramenfigur. So bekannt der dänische Dichter als Märchenerzähler ist, so wenig weiß man über ihn als Theaterautor, der die Bühne glücklos liebte und insgesamt immerhin rund 40 Schauspiele und...
Wer alles liest, hat nichts begriffen, sagte er», spricht Thomas Holtzmann. «Der lesende Mensch ist wie der fleischfressende auf die widerwärtigste Weise gefräßig und verdirbt sich wie der fleischfressende den Magen und die gesamte Gesundheit, den Kopf und die ganze geistige Existenz», sagt Reger, formuliert Holtzmann. «Die höchste Lust haben wir ja an den...
Denken Sie nur: Schöne Frauen, die den ganzen Tag einkaufen, Geburtstagsmenüs planen («Was heißt nochmal ‹Hummer› auf italienisch?») oder von der Liebe reden! Und Männer mit viel Geld, die diese Frauen auf Händen tragen und ihnen kostbare Armbänder aufdrängen. Dazu die etwas weniger schönen Frauen, die aber teuer zurechtgemacht sind und sich für den Rest mit...
