München: Kammerspiele
In unserer Zeit wäre Ibsens John Gabriel Borkman fein raus. Eine Bank ruinieren und ein paar hundert Kleinanleger um ihr Erspartes bringen gilt mittlerweile höchstens als Kavaliersdelikt. 1896, als Henrik Ibsen sein vorletztes Stück verfasste, waren Rettungsschirme für marode Geldinstitute noch nicht erfunden und ein Bankrotteur haftete mit seinem persönlichen Vermögen.
Nach fünf Jahren Gefängnis wegen Veruntreuung haust Ex-Bankdirektor Borkman daher gnadenhalber im Anwesen seiner Schwägerin und früheren Geliebten Ella Rentheim und brütet im oberen Stockwerk neue waghalsige Investitionspläne aus, während seine Frau Gunhild im Parterre ihren Groll pflegt und Sohn Erhart heimlich auf Flucht sinnt.
Regisseur Armin Petras kitzelt an den Münchner Kammerspielen vor allem die Groteske aus dem düsteren Untergangsszenario, beäugt die Figuren mit spöttischer Distanz und scheint sich dabei köstlich über deren Verbohrtheiten und Mimosentum zu amüsieren. Dass das über Strecken durchaus aufgeht, ist vor allem dem einschlägigen Bühnenbild von Olaf Altmann zu verdanken: Als hätte ein gezackter Blitz sich ins Erdreich gebohrt, führen schräge, halb mannshohe Stollen seitlich offen durch eine Wand, ...
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Theater heute April 2012
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Silvia Stammen
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