Stuttgart: Schauspielhaus, Kammertheater/Nord

Grenzen der Freiheit: Schiller «Don Karlos», Sartre «Das Spiel ist aus», Koltès «Roberto Zucco»

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Da müsste doch Sprengkraft drinstecken: Hasko Weber eröffnet das sanierte Stuttgarter Schauspielhaus mit Schillers «Don Karlos» genau an jenem Tag, an dem der fast zwei Jahre lang umkämpfte Schlosspark neben dem Theater zuguns­ten von Stuttgart 21 geräumt wird und die heftigst verteidigten Bäume abgeholzt werden.

Dann beschwört die Aufführung auch noch vom ersten Moment an das Motiv der Revolution: «Der Aufstand beginnt mit einem Spaziergang», lautet der erste Satz, und in diesem Zusammenhang erinnert das Heiner-Müller-Zitat durchaus an die Anfänge der schwäbischen «Wutbürger»-Protestlawine. Außerdem beschwört das Bühnenbild von Thilo Reuter mit wandgroßen Fotomotiven den arabischen Frühling – dankenswerterweise hat Schiller dem Marquis von Posa den gerade aktuellen Verweis auf den «allgemeinen Frühling in der Welt» in den Mund gelegt. Schließlich wird auch noch der Mord an Karlos ausgebremst durch den ans Ende verlegten Satz: «Das Volk will ihn lebendig sehen oder ganz Madrid in Flam­men aufgehen lassen.»

So wird das revolutionäre Brodeln, von dem im Stück immer nur die Rede ist, in den Blick gerückt – eigentlich eine sinnige Motivation für König Philipps Staatsterror. Doch Hasko ...

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Theater heute April 2012
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Andreas Jüttner

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