Pappnasenleben
Duftspray duftet, weil der Mensch bisweilen stinkt. Und ein Lustspiel macht sich lustig, weil der Mensch bisweilen stänkert. Nun hat das eine mit dem anderen wenig zu tun, es sei denn, Herbert Fritsch inszeniert den «Geizigen» in Luzern. Der Regisseur lässt das Parkett im Prolog mit einer WC-frisch-verdächtigen Parfümwolke einnebeln. «Viel Spaß», wünscht der Sprayer noch. Danke, davon kriegen wir mehr als genug ab.
Bekanntlich hat sich für Molières Komödie «L’Avare» ein unzutreffender Titel durchgesetzt. Geiz äußert sich bei Harpagon nicht in Enthaltsamkeit.
Sondern im Exzess. In der totalen Raffgier. Folglich verlangt Fritsch von den Figuren den fürchterlichsten Fortissimo-Verhaltenskodex, den sich ein Berliner Volksbühnenmanierist ausmalen konnte. Resultat: die permanente Reizüberflutung. Der Samtvorhang ratscht mit Getöse auf, die Fanfare schmettert, Hofmeister Valère (Jürgen Sarkiss) schwingt blonde Spagettilocken, Tochter Elises Reifrock (darin: Anna Eger) bauscht sich wie ein Lampion. Voilà, les Amoureux Nummer eins und zwo. Ihre Passion erweist sich als exaltiert gymnastisch, man sucht schließlich das Zeitalter der Ballettkomödie heim. Es beult sich Elises ...
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