Das Internationale Sommerfestival Hamburg
Als Theater noch für ein Politikum gut war: 1988 plante der Musicalproduzent Friedrich Kurz, den zuvor unter anderem als Varieté, Kino und Kaufhaus genutzten Gebäudekomplex Flora im Hamburger Schanzenviertel zu einem Theater umzubauen, um dort Andrew Lloyd Webbers «Das Phantom der Oper» zu zeigen, worauf sich im damals alternativ geprägten Stadtteil Protest erhob.
Anwohner wollten der Kommerzkultur eine Absage erteilen, auch fürchtete man eine frühe Gentrifizierung, als Höhepunkt wurde das Gebäude 1989 besetzt – die Übernahme des Schanzenviertels durch die Musicals war zurückgeschlagen.
Bis heute ist das mittlerweile als Rote Flora firmierende Gebäude ein politischer Zankapfel und repräsentiert einen gewissen Widerstandsgeist, auch wenn tatsächlich weder Musicals noch Gentrifizierung wirklich verhindert werden konnten: Das «Phantom der Oper» wurde in einem Theaterneubau in fußläufiger Entfernung aufgeführt, und das Schanzenviertel zählt mittlerweile zu den teuersten Wohnlagen der Stadt. Dass zwischen luxussanierten Altbauwohnungen weiterhin die graffitiübersäte Theaterruine steht, ist ein hübsches Symbolbild für die Zweischneidigkeit von Stadtumbauprozessen.
Die Ankündigung, dass ...
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Theater heute Oktober 2015
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Falk Schreiber
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