Festival: 7 starke Stücke
Sieben Uraufführungen sind für die Mülheimer Stücke vom 7. bis 26. Mai eingeladen: Yael Ronens «The Situation» (Gorki Theater Berlin) fasst einen zentralen Konflikt der Flüchtlingskrise – die Kultur-, Macht- und Interessenkonstellation im Nahen Osten aus der Perspektive der Betroffenen. Fritz Katers «Buch» (Münchner Kammerspiele/Schauspiel Stuttgart) bilanziert 50 Jahre Fortschrittsdenken: ein Stationendrama von 1966 bis 2013, von Amerika über die DDR in die Bundesrepublik nach Afrika und zurück.
Sibylle Bergs «Und dann kam Mirna» (ebenfalls Gorki Theater) versammelt selbstbewusste, kritisch-intellektuelle Frauen in ihren Dreißigern, deren forcierter zeitgeistiger Individualismus in eine ernsthafte Krise gerät: Sie werden Mütter. Auch Felicia Zellers «Zweite allgemeine Verunsicherung» (Schauspiel Frankfurt) kreist ums Überleben im eigenen Leben. Wie reagieren, wenn man ausgerechnet auf dem roten Teppich den Boden unter den Füßen verliert? Wenn sich scheinbar sicherer Selbstwert wie ein «zusammengenähter ausgestopfter willenloser Zombie» anfühlt? Wolfram Hölls «Drei sind wir» (Schauspiel Leipzig) zeichnet den einjährigen Aufenthalt einer jungen Familie in Kanada nach, deren ...
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Theater heute April 2016
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Franz Wille
So ein zeitgenössischer Theaterautor hat es wirklich nicht leicht heutzutage. Da kommt man in eine Stadt, von der man nicht viel kennt außer Bahnhof, Theater und einem mittelschlechten Vertreter-Hotel auf halbem Weg dazwischen, soll ein möglichst zugkräftiges Stück mit intensivem Ortsbezug entwickeln und dabei auch noch schlauer als alle anderen sein. Nämlich...
20 Jahre nach seinem Tod ist es um den Dramatiker Heiner Müller nicht allzu gut bestellt. Seine Stücke stehen nur noch selten auf dem Spielplan, einige der wichtigsten – «Germania Tod in Berlin» oder die sogenannten Produktionsstücke – tauchen quasi überhaupt nicht auf, und mit Dimiter Gotscheff ist vor zweieinhalb Jahren zudem der letzte Großinterpret Müllers...
Meine Leitfrage ist: Bewegen wir uns 25 Jahre nach dem Ende der bipolaren Weltordnung und nach der dazwischenliegenden Periode, die von vielen Theoretikern auch als neue Weltunordnung bezeichnet wurde, wieder auf einen dominanten Dualismus zu? Meine Hypothese ist, dass diese neue bipolare Bruchlinie sich in den Innenraum der europäischen Gesellschaften verlagert...
