Noch eine Prise Zicke
Die Männer könnten aus dem Krieg heimkehren, stattdessen legen sie einen Zwischenstopp ein. Prinz Pedro und seine Begleiter sind zu Gast beim Gouverneur von Messina, wo es nach einem Maskenball um nicht weniger als Liebe, Intrige und Verwirrung geht. Der Prinz wirbt für seinen Vertrauten Claudio um die Hand der Gouverneurstochter. Alles funktionierte wie geschmiert, wäre nicht der Halbbruder des Prinzen, Don John, ein verbitterter und missgünstiger Einzelgänger. Er sät Zweifel, die schöne Hero habe auch was mit anderen Männern.
Der Traum von der Liebe scheint ausgeträumt, bis die Intrige aufgedeckt wird. Happy End.
«Viel Lärm um nichts» ist ein merkwürdiges Stück, dem es scheinbar um die unbedarft Verliebten Hero und Claudio geht. Tatsächlich aber gilt Shakespeares Aufmerksamkeit Beatrice und Benedikt. Sie ist Heros Kusine, er ein zynischer Edelmann. Die beiden bekriegen sich mit Worten, parlieren anspielungsreich, bösartig, selbstverliebt. Wortakrobaten, die cool wirken wollen, das aber so feurig tun, dass klar ist: Insgeheim brennen sie füreinander. Der Widerspenstigen Zähmung gelingt, weil man ihnen ins Ohr flüstert, sie würden vom jeweils anderen über alle Maßen bewundert.
In ...
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Theater heute Dezember 2014
Rubrik: Chronik: Mannheim, Seite 58
von Jürgen Berger
Ernsthafte aktionistische Gefahr bestand ja nie, wenn Irina Prosorowa zur Feier ihres 20. Geburtstages ihre Lebenspläne kundtat: «Das Haus verkaufen, mit allem hier Schluss machen, und nach Moskau.» Die Antriebsschwäche, mit der die Gelegenheitstelegrafistin und ihre Schwestern Olga und Mascha seit jeher in der Provinz-Immobilie des verstorbenen Vaters hocken...
An sich eine freundliche Geste, nicht gerade kühn, aber scheinbar unverfänglich: Eine Stadt «proudly presents» freie Tanz- und Theateraufführungen, die in den letzten Jahren entstanden sind, zum Zwecke der «örtlichen Vernetzung» und in Erwartung «überregionaler Aufmerksamkeit».
Wettbewerbsorientiert und marktkompatibel, so wünscht sich – zumindest insgeheim – der...
Kleiner Tipp für ambitionierte Schauspielschüler: Wer künftig eine besonders erschütterungsintensive Einfühlungsrolle einzustudieren hat, sollte sich von seinen Eltern einen Trip ins Engadin spendieren lassen. Denn wenn der Alpensee so silberklar glitzert, der Felsschlund auch nur annähernd so fatalistisch klafft und der Nebel ähnlich schicksalsschwanger übers...
