Die Schamgrenze ist durchbrochen
Bernd Noack Herr Schulz, was ist hier in Dresden eigentlich los?
Wilfried Schulz Naja, das fragen wir uns natürlich selber im Moment. Es ist wirklich eine nur sehr schwer zu verstehende Bewegung, die zwar im Kern etwas mit Dresden zu tun hat, aber natürlich nicht ausschließlich mit Dresden. Ich komme gerade aus Düsseldorf, und da finden dieselben Dinge im kleineren Maßstab auch statt. Was aber ist das Spezifische, warum so etwas gerade hier so schnell kulminiert? Dresden hat ja eine lange Geschichte in der Auseinandersetzung mit rechten Umtrieben.
Das hat etwas damit zu tun, dass diese Stadt sich mit ihrer eigenen Historie noch nicht allzu lange auseinandersetzt. Die ganzen Debatten um den 13. Februar, also den Jahrestag der Bombardierung und Zerstörung der Stadt 1945, sind wirklich ein zentrales Thema. Ist man eine Täterstadt des Faschismus oder, wie auch bis weit hinein in die bürgerliche Mitte behauptet wird, eine Opferstadt? Man neigt zum Opferstatus, und das ist natürlich von den Neonazis in den letzten Jahren heftig ausgenützt worden. Eigentlich war die Stadt gerade an einem Punkt angelangt, an dem es eine breite, auch bürgerliche Öffentlichkeit gegen diese rechten Umtriebe ...
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Theater heute März 2015
Rubrik: Wer ist Pegida?, Seite 36
von Bernd Noack
Schiller auf seinem Denkmalsockel in Weimar blickt eindeutig nach links (Goethe daneben schaut etwas unentschlossen geradeaus). Hinter den beiden an der Fassade des Nationaltheaters hängt ein riesiges Plakat mit einem durchgestrichenen Abbiegerpfeil: «Gegen Rechts». So weit politisch alles klar in der Klassiker-Stadt?
Zwei Tage in Weimar, einer davon der 70....
Es ist ein magischer Moment der Jugend, den Roland Schimmelpfennig als Ausgangssituation wählt, wenn er in seinem neuen Stück Miniaturen möglicher Lebensentwürfe kreuzt: Siebzehn Jahr, blondes Haar und nichts wie über den Zaun des kommunalen Schwimmbads, dann rein ins nachts so dunkle Wasser und in ein Abenteuer, in dem plötzlich auch Jugendliche mit Namen wie...
Hinter dem Vorhang wird Schubert gespielt. Einzelne beherzte Klavierakkorde, ein wenig schief, eine Dekonstruktion des Wanderermotivs. Denkt man. Bis man sieht: Das Klavier steht auf Zweimeterbeinen, und fünf Schauspielerinnen mühen sich zehnhändig, irgendwie Töne auf dem Monstrum zu erzeugen. Die vermutete Dekonstruktion ist in Wahrheit die körperliche Begrenzung...
