Tanz unterm Todesstern
Das Schöne am Ensembletheater ist, in aller Ruhe über längere Zeiträume hinweg beobachten zu können, welchen Weg Schauspieler und Regisseure gemeinsam gehen, welche Entdeckungen sie an- und miteinander machen und durchaus auch, wo sie zusammen an Grenzen stoßen. Zwar werden Spielpläne meist zu wenig von solchen Überlegungen bestimmt, umso erfreulicher ist es da, wenn das Winning Team der letzten Saison, Stephan Kimmig und Steven Scharf, an den Münchner Kammerspielen nun bereits in die vierte gemeinsame Runde gehen darf.
Die beiden haben in den letzten Jahren schon einige bemerkenswerte Grenzgänge unternommen und dabei in hartgesottenen Kriegsherren wie Jason («Mamma Medea») oder Agamemnon («Atropa», beides von Tom Lanoye) staatsmännisch lavierende und an Selbstzweifeln laborierende Familienväter entdeckt oder zuletzt einem erotomanen Wrack wie dem Kulturbeamten Michel in Houellebecqs «Plattform» zu einer emphatischen Passion in Großaufnahme verholfen. Es ist fast ein Markenzeichen des Gespanns, Rollen so konsequent gegen den Strich zu spielen, bis sich daraus ein überraschend ungeglätteter Zugriff ergibt, der die Fragen des jeweiligen Textes direkt und anders stellt.
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Theater heute Mai 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Silvia Stammen
Er sieht aus wie ein geschleiftes Arbeiterdenkmal, wenn er mit schweren Schritten die schräge Bühne herabschlurft, Staub in den Haaren, den Tod im Gesicht, ein Actionheld am Tiefpunkt, wenn es 0:10 gegen ihn steht. Und trotzdem ist da noch etwas anderes, eine verhaltene Kraft und ein Funken kindlicher Übermut. Der neue Mensch ist zwar von Anfang an Ruine, ebenso...
Es fließt. Alles irgendwie. Und das in einer Stadt, in der sonst auch ziemlich viel steht – vor allem Autos im Dauerstau. Aber zumindest im Schauspielhaus ist gerade Fluxus und damit Bewegung angesagt. Schorsch Kamerun, Punkaltmeister und Antiautoritätskünstler, hält Hof. In blauer Zirkusdirektorenuniform domptiert er für seine «Fluxus-Konzertinstallation» eine...
Es gibt ein Tabuwort im Großgespräch, das – mit zunehmendem Crescendo zwischen November und Anfang Februar – in der Theatertreffen-Jury geführt wird. Das Wort heißt «Tableau» und bezeichnet das Gesamtergebnis der letzten Jurydiskussion: das Programm, das alljährlich im Mai die Theatersäle in Berlin füllen soll. Auf das Tableau soll eigentlich kein einziger Gedanke...
