Malen nach Zahlen

Dramen des Alltags in Wien: «Das fliegende Kind» von Roland Schimmelpfennig und eine Doppelfolge der Serie «Life and Times» vom Nature Theater of Oklahoma

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Der Inhalt von Roland Schimmelpfennigs neuem Stück «Das fliegende Kind» lässt sich in einem Satz nach­erzählen: Es war einmal ein Mann, der hat seinen Sohn überfahren.
Im Zentrum des Dramas steht also eine Katastrophe, die so ziemlich den schlimmsten Alptraum von Eltern darstellt. Es ist eine alltägliche, vollkommen sinnlose Katastrophe. Niemand hat – im moralischen Sinn – Schuld am Tod des Kindes, er ist einfach nur das Ergebnis einer Verkettung unglücklicher Zufälle.

Drum herum knüpft Schimmelpfennig ein enges Netz aus Erzählsträngen, Zeitsprüngen und Perspektivwechseln.

Das Stück spielt an einem 11. November in und um eine Kirche herum, während des Gottesdienstes zu Ehren des Heiligen Martin und des anschließenden Laternenumzugs der Kinder. Eines der Kinder, das spätere Opfer, hat ein Matchboxauto in der Hand, das es auf der Straße gefunden hat. Kenner von Schimmelpfennigs Dramaturgie kombinieren: Dieses Matchboxauto wird noch eine Rolle spielen.

Auch die Eltern des Buben sind anwesend – mit ihren Gedanken aber beide woanders: Die Mutter hat eine Affäre mit dem Vater eines an­deren Kindes; die beiden Liebhaber schleichen sich während der Messe kurz vor die Kirche, um heimliche ...

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Theater heute April 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Wolfgang Kralicek

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