Kassel: Ziemlich beste Freundinnen
In einem Leitfaden der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung kann man lesen, derzeit sei bei ungefähr 3,4 Millionen Bundesbürgerinnen und Bundesbürger von einem Alkoholmissbrauch oder einer -abhängigkeit auszugehen. Pro Jahr würden das bis zu 3000 Menschen mit dem Tod bezahlen. Dann folgt eine Anleitung, wie eine sogenannte Intervention ablaufen könnte. Es wird erklärt, die behandelnde Ärztin sollte zuerst einmal ein Problembewusstsein bei der Alkoholsüchtigen erzeugen.
Nach einer Vorbereitungs- und Handlungsphase gehe es dann um die Aufrechterhaltung von Verhaltensänderungen. Im Detail wird häufig vom Aufbau eines «positiven Klimas» gesprochen. Rückfälle allerdings seien ganz normal, man müsse dann eben «erneut in den Kreislauf der Veränderung eintreten». Der Leitfaden liest sich wie ein Masterplan für eine flächendeckende Suchttherapie. Rebekka Kricheldorf, die sich mit ihrem neuen Stück «Intervention» einmal mehr der Therapeutisierung des bundesrepublikanischen Alltags zuwendet, nimmt diese Spur auf, biegt allerdings in eine etwas andere Richtung ab.
Im Unterschied zum erwähnten Leitfaden steuert sie in Richtung einer hausgemachten Therapie. Da ist keine niedergelassene ...
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Theater heute April 2019
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Jürgen Berger
So plump und doof können das Frauen den Männern mit Sicherheit nicht nachmachen. Was da an Stammtischen oder in sonstigen nur dem starken Geschlecht vorbehaltenen Reservaten von der einen Hälfte der Menschheit über die andere schwadroniert und unter beibehaltener Ausschaltung jeglicher Gehirntätigkeit gelallt wird, geht nun wirklich auf kein gegerbtes Leder. Von...
«Würde es dich stören, das Handy wegzulegen, wenn wir miteinander sprechen?» – «Mir war nicht klar, dass das ein Gespräch ist» – Das klingt doch nach idealen Voraussetzungen für einen gemeinsamen Urlaub! Der da schulmeistert ist Falk, Philosophieprofessor, intellektueller Machtmensch, Vater zweier Streber, ein Mann mit hoher rhetorischer und ökonomischer...
Es lohnt sich, vor Beginn der Aufführung die Synopsis im Programmheft zu lesen. Da erfährt man, dass das Stück im Jahr 3000 spielt, wenn ein großer Teil der Menschheit längst in Weltraumkolonien ausgewandert ist, während sich der auf der Erde verbliebene Rest mit knappen Ressourcen, geschmolzenen Polkappen und einem «neokommunistischen» System herumschlagen muss....
