Im Sadomaso-Traumland
Vielleicht ist nichts, wie es scheint. Wenn man statt der Augen grüne Gläser hätte, hielte man die Welt für grün – und das Falsche für wahr. So ähnlich sagte es Kleist, sein berühmtes Zitat hat der Niederländer Bram Jansen seinem «Käthchen von Heilbronn» im Schauspiel Oberhausen zu Beginn auf den Gazevorhang projiziert. Kurz leuchtet ein Märchenkasten auf, eine romantische Burg- und Hügellandschaft mit Spielfiguren und dramatischem Wolkenhimmel wie aus einem historischen Kinderzimmer.
Jansen macht von vornherein klar, dass er mit Kleists «großem historischen Ritterschauspiel» mit seinen Hexen, Schlössern, Bränden und Schwertkämpfen nur ein wenig spielen will. Dann fällt die Bühne in tiefste, wohltuende Dunkelheit. Und da das Schrauben am vorher ausgeteilten Nachtsichtgeräten wirklich lästig ist und man damit die Schauspieler ohnehin nur als winzige Stecknadelknöpfe in Schwarz-Weiß erahnt, verlässt man sich als Zuschauer lieber auf das pure Hören in der Dunkelheit. Das hat seinen Reiz, zumal das «Vehmegericht» gegen den Grafen von Strahl ja ohnehin in einer unterirdischen (bei Kleists allerdings beleuchteten) Höhle spielt.
Der Niederländer Jansen, knapp 25 Jahre alt, wurde bekannt ...
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Theater heute Januar 2015
Rubrik: Chronik Oberhausen, Seite 57
von Dorothea Marcus
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