Nehmen und Geben
Wo war der Geist von Christoph Schlingensief? Schien er auf, als die große Patti Smith einfach ein Lied für ihn sang? Spiegelte er sich in der ausgesuchten Höflichkeit des Botschafters von Burkina Faso, der mit feiner Stimme das Engagement des 2010 verstorbenen Künstlers und seiner Hinterbliebenen lobte? Oder steckte er in den Details des sichtlich von Matthew Barney inspirierten Teufelskostüms, das Schlingensief sich einst für seinen Auftritt in Elfriede Jelineks «Bambiland» entworfen hatte und das an diesem Abend für immerhin 20.
000 Euro in den Besitz der Nationalgalerie wechselte?
Über weite Strecken herrschte bei der Berliner «Auktion 3000» konzentrierte Arbeitsatmosphäre im Mittelschiff des Hamburger Bahnhofs, das bis auf eine angedeutete Bühne und rund 400 Zuschauerstühle leergeräumt war. Immerhin galt es, 84 Werke hochkarätiger Künstler zu versteigern – darunter gut abgehangene Performancequeens wie Valie Export und Marina Abramovic, Newcomer wie Jorinde Voigt und Gregor Hildebrandt sowie zuverlässig Hochveranschlagte wie Andreas Gursky, Sigmar Polke und Günther Uecker. Ein Prozess, der unter Peter Raues eloquenter Leitung knapp vier Stunden dauerte und 1,025 Millionen ...
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Theater heute April 2012
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Eva Behrendt
Was für eine nette Gesellschaft: kein einziger guter Mensch. Während der alte Familienpatriarch, seit Jahren ein Spieler und Säufer, im Nebenzimmer verröchelt, entbrennt vorn im Salon der Kampf ums Erbe. Dabei ist jedes Mittel recht. Es wird gedroht und intrigiert, bestochen, betrogen, erpresst, spioniert, gefälscht, eingeschüchtert und am Ende sogar gemordet....
Es gibt Theaterhäuser, da weiß man vorher, wie der Abend aussehen wird: Bühnenbild, Kostüme, geschminkte Schauspieler sprechen Texte von lebenden oder toten Autoren. Dazu mehr oder weniger Musik, bunteres oder schlichteres Licht. Gerne auch mal Videoprojektionen in verschiedenen Formaten. Am Schluss wird geklatscht, und danach wird der Abend 10- bis 30-mal...
Der Inhalt von Roland Schimmelpfennigs neuem Stück «Das fliegende Kind» lässt sich in einem Satz nacherzählen: Es war einmal ein Mann, der hat seinen Sohn überfahren.
Im Zentrum des Dramas steht also eine Katastrophe, die so ziemlich den schlimmsten Alptraum von Eltern darstellt. Es ist eine alltägliche, vollkommen sinnlose Katastrophe. Niemand hat – im...
