Malen nach Zahlen

Dramen des Alltags in Wien: «Das fliegende Kind» von Roland Schimmelpfennig und eine Doppelfolge der Serie «Life and Times» vom Nature Theater of Oklahoma

Theater heute - Logo

Der Inhalt von Roland Schimmelpfennigs neuem Stück «Das fliegende Kind» lässt sich in einem Satz nach­erzählen: Es war einmal ein Mann, der hat seinen Sohn überfahren.
Im Zentrum des Dramas steht also eine Katastrophe, die so ziemlich den schlimmsten Alptraum von Eltern darstellt. Es ist eine alltägliche, vollkommen sinnlose Katastrophe. Niemand hat – im moralischen Sinn – Schuld am Tod des Kindes, er ist einfach nur das Ergebnis einer Verkettung unglücklicher Zufälle.

Drum herum knüpft Schimmelpfennig ein enges Netz aus Erzählsträngen, Zeitsprüngen und Perspektivwechseln.

Das Stück spielt an einem 11. November in und um eine Kirche herum, während des Gottesdienstes zu Ehren des Heiligen Martin und des anschließenden Laternenumzugs der Kinder. Eines der Kinder, das spätere Opfer, hat ein Matchboxauto in der Hand, das es auf der Straße gefunden hat. Kenner von Schimmelpfennigs Dramaturgie kombinieren: Dieses Matchboxauto wird noch eine Rolle spielen.

Auch die Eltern des Buben sind anwesend – mit ihren Gedanken aber beide woanders: Die Mutter hat eine Affäre mit dem Vater eines an­deren Kindes; die beiden Liebhaber schleichen sich während der Messe kurz vor die Kirche, um heimliche ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Wolfgang Kralicek

Weitere Beiträge
Vorwärts im Stillstand

Walter Scheel saß in den 70er Jahren hoch auf der gelben BRD-Kutsche und hat trotzdem nie singen gelernt. Der deutschen Fernsehshow-Industrie war das egal, Scheel durfte das Volkslied «Hoch auf dem gelben Wagen» fürs ZDF verballhornen. Etwa zur selben Zeit gewann Elfriede Jelinek schreibend Abstand von ihrem toten Vater und ist trotzdem nie mit ihm fertig...

Nehmen und Geben

Wo war der Geist von Christoph Schlingen­sief? Schien er auf, als die große Patti Smith einfach ein Lied für ihn sang? Spiegelte er sich in der ausgesuchten Höflichkeit des Botschafters von Burkina Faso, der mit feiner Stimme das Engagement des 2010 verstorbenen Künstlers und seiner Hinter­bliebenen lobte? Oder steckte er in den Details des sichtlich von Matthew...

Premieren im April · On Tour

Aachen, Grenzlandtheater
16. Walser, Das fliehende Pferd
R. Catharina Fillers

Annaberg, Eduard-von-Winterstein-Theater
1. Cooney, Cash – Und ewig rauschen die Gelder
R. Dietrich Kunze

Aschaffenburg, Stadttheater
28. Kirchner, A.M.I.L.O. – Alte Männer in lächerlichen Outfits (U)
R. Heinz Kirchner

Augsburg, Theater
13. Kater, We are camera/jasonmaterial
R. Lilli-Hannah Hoepner

B...