Der Ensemble-Solist
Ensemblesolist – das ist ein Fundstück, ein Ausdruck, mit dem schon vor Jahren ein Kritiker Ulrich Matthes beschrieben hat, und da ist was dran. Solist klingt für Theaterleute ja nicht so angenehm, eher eitel. Da will sich einer nicht fügen und ist sich selbst genug. Musiker hören das anders, und Ulrich Matthes ist sehr musikalisch. Er ist ein überzeugter Ensemblespieler, aber er verschwindet nicht im Ensemble, sondern macht es stark.
Als er 2002 für eine Rolle ans Deutsche Theater kam, war er Gast, und daraus entwickelte sich eine Bindung, sozusagen ein festes Verhältnis, das für ihn und das Haus sehr wichtig ist. Und ungewöhnlich. Denn die gegenteilige Bewegung – dass Schauspieler Ensembles verlassen, um «frei» zu sein für Film und Fernsehen und gelegentlich Theater – beklagen wir seit Jahren. Matthes sagt, er brauche ein Zuhause (das ist ein bisschen sentimental, und das weiß er und geniert sich nicht dabei), und nur einmal hat er wirklich bereut, dass er sich durch Ensemblepflichten hat hindern lassen, etwas anderes zu tun: Er hätte James-Bond-Bösewicht sein können, Bösewicht mit Weltwirkung – damit sich endlich auch erfüllt, was der weiland Kinderdarsteller Uli M., so mit ...
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Theater heute Jahrbuch 2008
Rubrik: Die Schauspieler des Jahres, Seite 112
von Bernd Wilms
Große Fragen liegen auf dem Tisch, Kaffeetassen stehen bereit:
Thomas Ostermeier, Jahrgang 1968, war nach dem Regiestudium an der Berliner Ernst-Busch-Schule künstlerischer Leiter der Baracke des Deutschen Theaters und leitet seit 2000 die Berliner Schaubühne
Frank-Patrick Steckel, geb. 1943, kam als Student der Kunstgeschichte zum Studententheater. Seit 1970...
Manchmal findet sich, wenn man müde ist von der immer weiter anschwellenden Flut «Szenischen Schreibens» hierzulande, ein Text, der richtig Theater sein will. Und als griffen wir nach langem wieder zum Märchenbuch, werden wir verzaubert, vom Unterbewussten heimgesucht, entführt, von Äxten, Dämonen und der eigenen Familie bedroht, fahren wir in schrottreifen Karren...
Eine Krise ist immer eine gute Sache. Wenn das Theater sich selbst abschafft, dann werden wir dieses Schauspiel genießen. Untergang ist überhaupt das beste Schauspiel.» (Boris Groys) Im Berliner Landwehrkanal, in den im Januar 1919 – wie in Brechts «Ballade vom ertrunkenen Mädchen» poetisiert – die ermordete Rosa Luxemburg geworfen wurde, dümpelt 2008 ein...
