Goldschmied der Ironie
Es gibt sie tatsächlich, die Theaterkritiker, die in ihrem Leben nichts von Bedeutung erlebt haben, außer, was ihnen die Bühne als Material anbot. Was von Kritik verletzte Schauspieler und Regisseure seit ewigen Zeiten als gehässige Vermutung über den Beruf des Aufführungsrichters ablassen, dass diesen wohl nur im Leben Zukurzgekommene ergreifen, die das Theater behandeln, umarmen und bestrafen müssen wie eine eigensinnige Geliebte, das bestätigt ihnen jetzt Gerhard Stadelmaier: mit einer Lebensbeichte ereignisloser Jahre auf 220 Seiten verketteter Bandwurmsätze.
Zwar nennt der langjährige Cheftheaterkritiker der «FAZ» den Einblick in sein monothematisches Beobachterleben mit dem Titel «Umbruch» Roman, spricht von sich selbst über viereinhalb Lebensjahrzehnte hinweg immer nur in der dritten Person als «der junge Mann» und verrätselt alle halbwegs berühmten Persönlichkeiten aus Theater und Journalismus bis zur totalen Kenntlichkeit. Alles andere an diesem Buch ist aber so derartig ungetarnte Biografie, dass es auch jeder «FAZ»-Verweigerer sofort versteht.
Denn in Stadelmaiers «Umbruch» geht es im Wesentlichen nur um diese zwei Dinge: Der «junge Mann» im Theater ...
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Theater heute Dezember 2016
Rubrik: Bücher, Seite 60
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Begegnungen mit dem Schauspieler Franz Rogowski. Das erste Mal: 2011 in Salzburg. Wir saßen mit Philipp Hochmair in einem Café abseits des Festspieltrubels und sprachen über den «Faust» von Nicolas Stemann, der in den nächsten Tagen Premiere haben würde. Auf einem Rennrad mit für das Kopfsteinpflaster viel zu dünnen Reifen kam ein junger Mann mit höchst...
Schreiben kann eine sehr lebendige Praxis sein, sich dem Leben zu entziehen. Wer schreibt, verpulvert kein Geld und vertickt keine Bibliothek, beschimpft niemanden, ist nicht im Bett mit Madonna oder anderen Frauen, reist nicht getrieben durchs Land, kassiert kein Hausverbot, auch wenn all das beim Schreiben sehr intensiv vorgestellt, gefühlt und eben...
So viel Etikettenschwindel war schon lange nicht mehr. «Wunderbare Jahre» behauptet der Buchtitel; der leere rote Plastikstuhl allerdings, der darunter ins Bergmassiv blickt, könnte zu denken geben. Doch dann kommt der Klappentext und spinnt weiter: Wunderbare Jahre waren das angeblich, «als wir noch die Welt bereisten», «schön, abenteuerlich, romantisch». Und...
