Die Strippenzieherinnen
Wenn in der zweiten Maiwoche beim Berliner Theatertreffen Karin Henkels Zürcher Inszenierung «BEUTE FRAUEN KRIEG» zu sehen sein wird, eine Euripides-Kompilation der «Troerinnen» von John von Düffel und «Iphigenie in Aulis» von Soeren Voima, die die Geschichte der Frau als instrumentalisiertes Opfer in von Männern betriebenen Kriegen erzählt, dann könnte ein anschließender Besuch ihrer DT-Inszenierung «Rom» als Antidot dienen.
Denn dort blickt Karin Henkel in die römische Antike zurück, mit Hilfe von drei Shakespeare-Stücken, deren Titel «Coriolan», «Julius Cäsar» und «Antonius und Cleopatra» zwar die übliche Dreiviertel-Männer-Dominanz suggerieren, in der Lesart von Karin Henkel und John von Düffel aber die Frauen aus der Opferrolle entlassen und zu zielsetzenden Strippenzieherinnen ermächtigen – wenn auch nur in der Form des effektiven Wirkens im Hintergrund.
Schon die allererste Szene setzt den Abend auf diese Spur. Nachdem ein Hoodie-Junge mit blutrot triefendem Pinsel «ROM REPUBLIK» an die Holzwand gemalt hat, die Vorder- und Hinterbühne von Thilo Reuther trennt, ist es Kate Strong, die im kleinen Schwarzen und verführerisch quäkendem Englisch Coriolan auf die Bühne lockt: ...
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Theater heute Mai 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 40
von Barbara Burckhardt
Auf die Münchner CSU ist Verlass. Die aufrechten christsozialen Stadtverordneten sind heldenmütig bereit, sich in einem der interessanteren Theaterstreits der letzten Jahre in die reaktionäre Ecke, nein: nicht einmal stellen zu lassen. Sie sind sogar selbst mit Anlauf hineingesprungen.
Zur Erinnerung: Matthias Lilienthal war 2015 als Nachfolger von Johan Simons...
Eigentlich geht es Fräulein Agnes allerbestens: keine größeren finanziellen Sorgen, eine schöne Altbauwohnung, ein reiches Kulturleben, das sie in einem gerngelesenen Blog mit ihren Mitmenschen teilt, ein junger Liebhaber, über dessen gelegentlich anderweitigen Interessen sie großmütig und weise hinwegsieht. Kurz: Fräulein Agnes lebt im kulturbürgerlichen Paradies...
Personen:
Jake, Mitte bis Ende dreißig
Kitty, Mitte bis Ende dreißig
Edward, Mitte bis Ende dreißig
Rachel, Mitte bis Ende dreißig
Tim, Mitte bis Ende dreißig
Gayle, in den Vierzigern/Fünfzigern
Zara, Mitte bis Ende dreißig
Laura, in den Vierzigern/Fünfzigern
Gayle und Laura sollten von derselben Schauspie-
lerin dargestellt werden.
Erster Akt
Erste Szene
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