Farbwechsel
Im ersten Moment meint man, sie schauten einen an. Und doch ist es vielmehr der eigene Blick, der irritiert. Der Blick auf drei Dutzend schwarze Schaufensterpuppen, die während der gesamten Aufführung von «Schande» nach dem gleichnamigem Roman des südafrikanischen Literaturnobelpreisträgers John M. Coetzee unbeweglich auf der Bühne der Münchner Kammerspiele stehen. Bühnenbildnerin Katrin Brack hat sie dort postiert, einzeln und in Grüppchen, Männer, Frauen, Kinder, in Alltagsklamotten, auch ein paar Hunde sind dabei, wie bei einer eingefrorenen Straßenszene.
Eine latente Provokation, zwei Stunden lang. Sind wir so? Nehmen wir schwarze Menschen als stereotype Statisten wahr? Luk Percevals Inszenierung suggeriert das, und im Laufe des Abends wirkt diese aufoktroyierte Verunglimpfung zunehmend ernüchternd, auch wenn später noch drei schwarze Schauspieler in entsprechenden Rollen live auftreten.
Doch die Zentralperspektive bleibt eine weiße, und im Fokus steht wie im Roman der in Ungnade gefallene Universitätsprofessor David Lurie, durchaus kein sympathisches Exemplar seiner Klasse, den die beiläufige Affäre mit einer Studentin nicht nur den Job kostet, sondern in der Folge auch sein ...
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Theater heute Februar 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Silvia Stammen
Aachen, Grenzlandtheater
4. Delaporte/de La Patelliére, Der Vorname
R. Wolfgang Hagemann
Aalen, Theater der Stadt
22. Heløe, Man ist auch der, der man werden kann
R. Winfried Tobias
Altenburg/Gera, TPT
7. Heine, Deutschland. Ein Wintermärchen
R. Bernhard Stengele
Annaberg, Eduard-von-Winterstein-Theater
6. Müller/Misiorny, Zwei wie Bonnie und Clyde
R. Christine Zart
16. Hild,...
Wenn man betrachtet, woraus totalitäre Systeme ihre Kraft bezogen haben, dann war das zuallererst die Zerstörung von bestehenden Sozialbeziehungen.» Diese Sentenz aus Harald Welzers Oppositionsratgeber «Selbst denken – Eine Anleitung zum Widerstand» flimmert zum Auftakt von Tilmann Köhlers Horváth-Adaption «Jugend ohne Gott» in den DT-Kammerspielen über die vierte...
Er heißt Harry und ist einer jener Helden, denen alles misslingt und die trotzdem ganz optimistisch wirken. Seine Frau starb vor Kurzem an Krebs, die Tochter zieht sich zunehmend zurück, und es sieht so aus, als wolle sie dem Großpapa den Enkel vorenthalten. Warum das so ist, erfahren wir etwas später: Die Tochter leidet an Depressionen und gab ihr Kind fürsorglich...
