Evidenz in großen Dosen
Wenn man betrachtet, woraus totalitäre Systeme ihre Kraft bezogen haben, dann war das zuallererst die Zerstörung von bestehenden Sozialbeziehungen.» Diese Sentenz aus Harald Welzers Oppositionsratgeber «Selbst denken – Eine Anleitung zum Widerstand» flimmert zum Auftakt von Tilmann Köhlers Horváth-Adaption «Jugend ohne Gott» in den DT-Kammerspielen über die vierte Wand. Horváths 1937 erschienener Roman schildert anhand eines Mordfalls in einem vormilitärischen Ausbildungslager, wie ethische Werte in pubertierenden Jungsköpfen von faschistischen Ideologemen verdrängt werden.
«Es könnte sein», warnt Welzer auf der Bühnenwand weiter, «dass der heutige Totalitarismus ausgerechnet im Gewand der Freiheit auftritt: in jedem Augenblick alles haben und sein zu können, was man haben und sein zu wollen glaubt.»
Einfache Antworten, bitte!
Steile These – deren analytische Abklopfung bei Köhler nach dem Intro allerdings nicht beginnt, sondern erstaunlicherweise bereits beendet ist. Dafür, ob – und wenn ja, in welchen strukturellen Details genau – die Unterordnung unter diktatorische Systeme tatsächlich mit der freiwilligen Anpassung an ein «hochmodernes Gehäuse der Hörigkeit» vergleichbar wäre, ...
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Theater heute Februar 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Christine Wahl
Personen
Dora, die Assistentin
Hospitantin ohne Namen
Hermann Schwinder, ein älterer Herr
Martin Neumann, ein jüngerer Mann
Sophie Sikora, eine Frau um die 30
0
DER BISWEILEN LEERE RAUM
Eigentlich sollte dieser Raum leer bleiben
Dass er sich fülle erst im Verlauf der Zeit
Mit den Blicken der Betrachter
Und Erwartungen aus anderen Zeiten
Die in Widerstreit...
Die Schüler kommen aus verschiedenen Ländern Schwarzafrikas und des Maghreb, aus China und der Pariser Banlieue, wo sie zusammen zur Schule gehen. Ihre Eltern sprechen oft kein Französisch; einige leben hier illegal. Sie haben ein feines Gespür für die offenen und versteckten Überlegenheitsgefühle ihrer Lehrkräfte und wissen genau, dass ihre Aufstiegschancen...
Eben noch europäische Kulturhauptstadt, steht die Stimmung ein Jahr später auf Unbehagen und Unsicherheit in Maribor. Das Kompliment von der slawischen Schweiz wird heute in Slowenien eher ungläubig erinnert. Dabei ist, ganz anders als beim Nachbarn Ungarn, immer noch derselbe Mann aus den besseren Zeiten an der Spitze. Janez Jansa, scheinbar ewiger...
