Lest Marx, bis euch der Kopf raucht!

Richard Herzinger widerspricht dem Widerspruch, den sein Marx-Essay im Märzheft von «Theater heute» ausgelöst hat – und ruft zu eingehender Marx-Lektüre auf

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Welchen unerhörten Frevel habe ich begangen, dass ich von Stefanie Carp als «wetternder» Eiferer «mit reichlich Schaum vor dem Mund» hingestellt werde? Ich habe in einem längeren Essay die Formen des aktuellen, modischen Marx-Hypes kritisiert. Ich habe darauf hingewiesen, dass er nur so schön glatt funktionieren kann wie das gegenwärtig der Fall ist, wenn die Marxschen Hauptthesen aus ihrer Wirkungsgeschichte, bis hin zum einstmals real existierenden Sozialismus, herausgelöst werden.

Ich habe außerdem bezweifelt, dass die allseits – und zwar nicht nur von Linken – so hoch gepriesene Marxsche Kapitalismusanalyse tatsächlich derart unerlässlich für das Verständnis unserer Gegenwart sei, wie es allseits behauptet und mittlerweile in jeder Talk-Show nach­geplappert wird. 

 

Raunende Modernekritik

Was Marx heute wieder so attraktiv macht, so meine Gegen­these, sind nicht seine vermeintlich einzigartigen wirtschaftstheoretischen Erkenntnisse – von Ökonomie verstehen die wenigsten seiner Verehrer allzu viel. Es ist vielmehr seine raunende Moderne- und Entfremdungskritik, seine Verdammung der Warengesellschaft als dem diabolischen Medium der Entäußerung des vermeintlich authentisch ...

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Theater heute August/September 2009
Rubrik: Debatte: Marx oder Murks, Seite 60
von Richard Herzinger

Vergriffen
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