Dortmund: Ringparabel, my ass

Ayad Akhtar «Geächtet»

Theater heute - Logo

Die Regeln sind einfach: Sei cool, verdiene überdurchschnittlich, sieh gut aus und steh über den Dingen, also Dingen wie Herkunft oder Religion. Trage diese nur als Accessoire, als koketten Hauch von Authentizität. Amir und Emily, Jory und Isaac haben die Regeln verinnerlicht und entsprechend uniform treten sie auf: leichenblass, weißblonde Haare, rote Vampiraugen und mit unerträglich guter Laune gesegnet.

Es sind grelle Comic-Bilder, die Regisseur Kay Voges und sein Team am Schauspiel Dortmund für Ayad Akh­tars fies durchkomponiertes Upper-Class-Szenario «Geächtet» (abgedruckt in TH 3/16) finden. Droht ein Ausrutscher, etwa der Verdacht auf Orien­talismus oder Identitätsverschleierung, jault eine Alarmsirene, und die Flaggen Pakistans, der USA, Israels und der Afrikanischen Union blinken als bühnenfüllende Projektionen panisch durcheinander (Video-Art Mario Simon).

Ayad Akhtars Konversations-Tragikomödie «Geächtet», in der ein gepflegtes Upper-Class-Intellektuellen-Dinner im Religionskrieg endet, ist am Broadway ein Megaerfolg und wurde 2013 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Die deutschsprachigen Bühnen entdecken es erst jetzt – muss an der Zeitverschiebung liegen –, dafür ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2016
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Cornelia Fiedler

Weitere Beiträge
Im Ghetto der Perfektion

China besitzt eine von der hiesigen sehr unterschiedene und auf den westlich und besonders vom deutschen Theater geprägten Intellektuellen zunächst eher fremd wirkende Theaterkultur. So hat das Sprechtheater, bei uns mindestens institutionell noch immer das Herzstück des Theaterlebens, hier eigentlich keine Tradition. Das große Erbe der chinesischen...

Talkshowtheater

Wie stellen sich die Theater den Zumutungen der Tagesaktualität? In der Flüchtlingskrise wird die Infrastruktur der Stadttheater an vielen Orten genutzt, um politische Diskussionen zu organisieren. Das Schauspiel Köln wählt einen Mittelweg zwischen Kunst und Politik: Nach dem Debattenfeuilleton kommt das Debattentheater.

Ein Katarakt von rasenden Bildern mit...

Ein manifestes demokratisches Problem

Meine Leitfrage ist: Bewegen wir uns 25 Jahre nach dem Ende der bipolaren Weltordnung und nach der dazwischenliegenden Periode, die von vielen Theoretikern auch als neue Weltunordnung bezeichnet wurde, wieder auf einen dominanten Dualismus zu? Meine Hypothese ist, dass diese neue bipolare Bruchlinie sich in den Innenraum der europäischen Gesellschaften verlagert...