Burgunder fürs Parkett

nach Max Frisch «Mein Name sei Gantenbein»

Theater heute - Logo

Ein Mann wird verlassen, ein Kapitel geschlossen. Mobiliar, Wände, Boden sind weiß abgedeckt, ein früheres Leben verschwindet unter Laken wie eine Leiche. Zeit, sich neu zu erfinden. Gesichter flammen auf, die Laken sind jetzt Leinwände neuer Lebensgeschichten, «Entwürfe zu einem Ich», die Max Frisch 1964 variantenreich ausbreitet, um letztlich doch von der Unmöglichkeit einer schlüssigen Biografie zu erzählen.

Vor 50 Jahren ist «Mein Name sei Gantenbein» erschienen, das letzte Prosawerk, das der Autor als Roman durchgehen ließ.

Jetzt haben Regisseur (und Bühnenbildner) Dusan David Parizek und Dramaturg Roland Koberg eine Fassung fürs Schauspielhaus Zürich erstellt. Was an sich keine kleine Kühnheit ist, bedenkt man den szenischen Zickzackkurs, das Ausmaß der erzählerischen Selbstbeobachtung und, nicht zuletzt, die weihevolle wissenschaftliche Deutungsgeschichte des Werkes.

Parizek geht mit dem Text respektvoll um. Und gönnt seinem exzellenten Schauspieler-Quartett dennoch Freiheiten. Eingangs stellen sich die vier gegenseitig vor der Livecam vor. Svoboda entspricht so gar nicht dem Gemütstyp, als den ihn sich Frisch vorstellt. Siggi Schwien­tek, schon von Natur aus kein böhmischer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2014
Rubrik: Chronik: Zürich Schauspielhaus, Seite 61
von Stephan Reuter

Weitere Beiträge
Bitte umblättern

Hätte Suhrkamp in den vergangenen 30 Jahren mehr Titel wie Isabel Allendes Debütroman «Das Geisterhaus» (1982) verlegt, wäre der Verlag heute wahrscheinlich nicht in der Krise. Der auto­biografisch unterfütterte Familienroman war ein Weltbestseller. Erzählt wird die Geschichte Chiles von den 1920er Jahren bis zum Militärputsch 1973 durch General Pinochet; mit dem...

Das Schicksal der Hochmoderne

Am Ende sind die Experten auch nicht schlauer: «Ganz allgemein – es bleibt einfach schwierig», meint einer der drei Herren im Rollkragenpulli, der sich hocheloquent, aber meinungsarm an seiner Tafel abmüht und das Problem mit Schrödingers Katze vergleicht. Ob die gerade schon tot sei, wisse man als Beobachter auch nie. Die andere Fachkraft stottert ein bisschen um...

Die Farbe Braun

Zur Zeit werden mehrere Theateraufführungen über die Opfer und Taten der faschistischen Gewaltzelle vorbereitet, die sich selbst den Namen «NSU» (Nationalsozialistischer Untergrund) gegeben hat. Münchens Residenztheater und Karlsruhe arbeiten dran, Frankfurt hat mit «Der weiße Wolf» den Anfang gemacht. Während sonst Projekte geplant sind, die sich dem Thema...