Die Baustelle der anderen
Wo gehobelt wird, fallen Späne. Wo zerstört wird, fliegt der Glitter. Zumindest ist das im Stuttgarter Schauspiel so, wo eine Baubrigade kaputt macht, was sie zuvor gebaut hat. Weil es ein Beschluss so will, und weil Beschlüsse nicht verhandelbar sind. «Der Bau» ist ein mehr als vierzig Jahre altes Stück von Heiner Müller, das zumindest in seinem Parabelcharakter für Stuttgart gerade ziemlich aktuell erscheint.
Denn zwischen Innenstadt und der derzeitigen Ausweichspielstätte des Schauspiels in der Türlenstraße liegt der Hauptbahnhof, dessen geplanter Umbau zum vermutlich größten Bürgerunmut geführt hat, den die Schwabenmetropole je erlebt hat. «Stuttgart 21» ist das Prestigeprojekt von Bahn, Stadt- und Landesregierung und das Hassobjekt vieler Einwohner.
Vom «Bau» zum Stadtumbau?
Allerdings geht es im Streit um den Bahnhofsbau um die unpopulären Entscheidungen demokratisch gewählter Volksvertreter, nicht um die absurden Beschlüsse einer totalitären Parteileitung, wie sie Heiner Müller karikiert. Deshalb ist «Der Bau» kein «Stuttgart 21»-Stück, auch wenn es mancher Zuschauer gern so sehen würde. Tatsächlich aber hat Schauspielintendant Hasko Weber den Mikrokosmos einer ...
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