Außer Atem
Es läuft rund. Ein klaffender Trichter, von einem Gerüst mit Podien, Treppen, Rampen gestützt, dreht sich auf der Bühne wie ein Hamsterrad. Oder ein Roulette, das es assoziiert, denn wir sind in Roulettenburg, Dostojewskis fiktiver deutscher Stadt, montiert aus Wiesbaden, Bad Homburg und Baden-Baden.
Geld um jeden Preis: Spielen wird zur Metapher des ökonomischen Prinzips, in dem die paar Menschen um die Familie des klammen Generals Sagorjanskij gefangen sind, voran der Hauslehrer Alexej Iwanowitsch.
Allesamt sind es Anti-Rationalisten und Anti-Kapitalisten, die den Zufall vergöttern und doch zugleich nach Gewinn und Verlust rechnen. Die Motorik des Edgar Eckert als Alexej – Hände, Füße, Augen, Mundwerk, der ganze Körper – verrät den Suchtkranken in seiner Selbstvergeudung. Alles muss raus. Ist in Aufruhr. Überschlägt sich. Er gibt seinem Schnell-Sprech mit flatteriger Stimme Form und Struktur, nicht nur unter Konditions-Aspekten eine Meisterleistung.
Martin Laberenz hat Eckert und dessen Gegenmodell, Sebastian Grünewald als stoischer Engländer Mister Astley, der gedankenvoll, undurchdringlich, in wacher Schläfrigkeit an der Rampe sitzt, während über ihm der Irrsinn abgeht, aus ...
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Theater heute März 2014
Rubrik: Chronik: Düsseldorf Schauspiel, Seite 56
von Andreas Wilink
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Ein Mann wird verlassen, ein Kapitel geschlossen. Mobiliar, Wände, Boden sind weiß abgedeckt, ein früheres Leben verschwindet unter Laken wie eine Leiche. Zeit, sich neu zu erfinden. Gesichter flammen auf, die Laken sind jetzt Leinwände neuer Lebensgeschichten, «Entwürfe zu einem Ich», die Max Frisch 1964 variantenreich ausbreitet, um letztlich doch von der...
Das erste literarische Genre, das Rebekka Kricheldorf beherrschte, war das Schmähgedicht. «Es lebte einst, ich weiß nicht wo / ein Mensch, der hieß Gorilla-Joe / Er war nicht schön, er war nicht klug / doch Haare hatte er genug / Die hingen tief ihm ins Gesicht / So sah er nie das Sonnenlicht.» Dieses lyrische Frühwerk beispielsweise entstand Mitte der achtziger...
