Neue Stücke · Aufführungen (4/2019)
Neue Stücke
An Überschreibungen «nach» Euripides, Shakespeare und Ibsen haben wir uns gewöhnt. Der Berliner Autor Necati Öziri wetzt die Messer noch etwas schärfer, um «gegen» Heinrich von Kleist seine eigene Variante einer Lovestory im Setting der haitianischen Revolution zu stellen: Sebastian Nübling inszeniert «Die Verlobung in St. Domingo – ein Widerspruch» am Schauspielhaus Zürich.
Hinter Mittelschichts-Tischgesprächen zwischen Geschmacksverfeinerung und Konsumgewissen gähnt Maja Zades «abgrund» an der Berliner Schaubühne (R: Thomas Ostermeier), «Probleme Probleme Probleme» seufzt René Pollesch in seiner nächsten Uraufführung am Schauspielhaus Hamburg (mit Sophie Rois). «Theater heute»-Autorin, Kuratorin und Regisseurin Marina Davydova inszeniert zur Eröffnung eines fiktiven Woodstockmuseums in Moskau «Checkpoint Woodstock» am Hamburger Thalia-Theater – eine Koproduktion mit dem Drama Theater Vilnius. Der polnische Performer Wojtek Ziemilski beschäftigt sich in «In meinem Namen» am Staatsschauspiel Dresden mit Leuten, die «unsichtbar» bleiben. «Chinchilla Arschloch, waswas» heißt die neue Rimini-Protokoll-Koproduktion mit Schauspiel Frankfurt und dem Mousonturm: Theater ...
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Theater heute April 2019
Rubrik: Daten, Seite 64
von
Unter dem Publikum im Gorki-Theater gab es am Samstag viele Polen. Man hatte ein bisschen das Gefühl, als wäre man in einem Exilkabarett nach einem zukünftigen Staatsstreich in Warschau, der den ‹fortschrittlichen› Teil der Gesellschaft hinter die Oder verbannt hat», schrieb Witold Mrozek, Kritiker der überregionalen polnischen Tageszeitung «Gazeta Wyborcza», über...
Keine Menschenseele war zu sehen, damals am Krasny-Prospekt, nachts um halb eins. Wäre auch Irrsinn gewesen, bei Atem raubenden 35 Grad Celsius minus. Dann doch lieber das Gegenteil – gefühlte 35 Grad plus, wie sie im Innern des prächtigen, völlig überheizten Opernhauses von Novosibirsk herrschten, wo ohnehin die bessere Sause lief: Sektkorken knallten, Wodka wurde...
Putzt euch die Zähne – und hofft, dass ihr den Tag überlebt!», mit diese Appell entlässt Nikita Dhawan die rund 150 Teilnehmenden des zweiten Flausen-Bundeskongresses «The Politics of Art» in den Tag. Das hat man davon, wenn man die renommierte Professorin für Politische Theorie und Gender Studies nach der Rolle von Kunst und Moral in politisch desolaten Zeiten...
