Der letzte Mohikaner
Zu den wesentlichen Funktionen des Fernsehens gehört die Versorgung mit Vertrautheit. Ein Fernsehen, das ständig neue Figuren und neue Schauspieler aufbietet, wäre kaum auszuhalten. Anders als im Theater oder Kino ist das eigene Wohnzimmer der Ort, an dem man die Wiederkehr des Immergleichen nicht nur schätzen kann, sondern sie geradezu sucht. Dabei ist es egal, ob ein Schauspieler in immer wieder neuen Rollen oder über Jahrzehnte hinweg als ein und dieselbe Figur zu sehen ist, Hauptsache: ein vertrautes Gesicht.
Aber machen wir uns nichts vor: Ebenso in der Natur des Mediums liegt es, dass niemand eine Lücke hinterlässt. Die rüde Redensart «Aus dem Auge, aus dem Sinn» erfüllt sich im Fernsehen ganz buchstäblich. Weshalb es gilt, Abschied zu nehmen, solange man die Figur noch in Aktion sehen kann. Zum Beispiel diesen Monat von Dr. Carter, Arzt in der Notaufnahme eines Krankenhauses in Chicago, gespielt von Noah Wyle in der Serie «Emergency Room», die Pro 7 mit Unterbrechungen seit knapp zehn Jahren zeigt.
Auseinander gealtert
Carter, zuerst noch ohne Doktortitel, war von Anfang an dabei. Von der Originalbesetzung ist er der einzige, der bis heute durchgehalten hat. Die anderen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Herz, mein Herz, was soll das geben? Was bedränget dich so sehr?», will man mit dem lyrischen Goethe emphatisch ausrufen, wenn einem im Bochumer Schauspielhaus Herzfrequenz-Töne entgegenwummern. Im Dunkeln kauert vor einer hochragenden, alles beherrschenden Wand Antigone. Der Clou der von Tina Lanik inszenierten Sophokles-Tragödie (Übersetzung Walter Jens) ist die...
Wir Deutschen lieben die Buddenbrooks. Angeblich sei es unser tollster Roman, haben irgendwelche Demoskopen berechnet. Dabei geht es in diesem Buch doch neben der langatmigen Beschreibung von Backenbärten, Tapeten, Vatermördern, Salons, Überziehern, Händen und Büffets im Kern um das Versagen der materialistischen Denkungsart, also um das Scheitern unseres...
Mann trifft Frau, Frau trifft Mann. Paar Blicke hin, paar Blicke her, alles klar, du bists, wir sinds. Für heute, für morgen. Vielleicht für ewig und drei Tage. So muss sich das zugetragen haben, einst, als ein paar Blumenkinder die Liebe befreiten und ein Signal der Brunftbereitschaft selten verpasst oder missdeutet wurde. Muss lange her sein. Jedenfalls bevor Jon...
