Hinter Glas
Die Sonne scheint. Das Alpenpanorama leuchtet, freudig läuft der Hund vorneweg, wackelig auf wenig bergtauglichen Schuhen folgt ihm die Frau. Und dann ist da plötzlich – nichts. Ein Nichts, das ein Ende ist. Es geht nicht weiter, obwohl die sich hinabschlängelnde Straße ins Weite zu führen scheint. Denn da ist die unsichtbare «Wand».
In Julian Pölslers gleichnamigem Film nach Marlen Haushofers fast 50 Jahre altem Roman ist sie ein kaum wahrnehmbar anschwellender Ton und eine Fassungslosigkeit im Gesicht von Martina Gedeck.
Mit den Händen tastet sie die gläserne Wand ab, die jetzt die Rückseite der Leinwand zu sein scheint, wir schauen auf die Handinnenflächen und spüren die Undurchdringlichkeit. Die atemberaubende Bergwelt wird danach zum lichtdurchfluteten, schneedurchwehten, regendurchnässten Gefängnis, und Martina Gedeck wird sich stumm und entschlossen in dieser alternativlosen Natur mit ihren Gefahren und Kreaturen einrichten und ein wenig selbst Kreatur werden. Ganz geht es ja nicht, weil da dieses Denken ist, gegen das sie anschreiben muss: den Bericht eines Überlebenskampfes für fast nichts, für einen kleinen Hund, eine große Kuh, für das Leben selbst vielleicht, das doch ...
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Theater heute April 2012
Rubrik: Akteure, Seite 51
von Barbara Burckhardt
Wo war der Geist von Christoph Schlingensief? Schien er auf, als die große Patti Smith einfach ein Lied für ihn sang? Spiegelte er sich in der ausgesuchten Höflichkeit des Botschafters von Burkina Faso, der mit feiner Stimme das Engagement des 2010 verstorbenen Künstlers und seiner Hinterbliebenen lobte? Oder steckte er in den Details des sichtlich von Matthew...
Man kann sich jederzeit in Wien seine ganz persönliche theatralische Begegnung mit Arthur Schnitzler erlaufen. Man nehme das gelbe Reclam-Heft mit dem «Lieutnant Gustl» in die Hand und gehe los: vom Musikverein über den Ring und die Aspernbrücke hinein in die Leopoldstadt bis zur Hauptallee des Praters; dort setze man sich erholungshalber für eine Weile auf eine...
Als George W. Bush Anfang 2002 die Metapher in die Welt setzte, fügte er an, all jenen Staaten, die er von jetzt an zur «Achse des Bösen» rechne, nütze künftig keine Tarnung mehr: «We know their true nature.» Da hatte der Präsident längst wieder Haltung gewonnen und wirkte nicht mehr wie einige Monate zuvor beim Aussteigen aus dem Hubschrauber, als er, noch ganz...
