Risse im Panzer

Kleist «Penthesilea»

Theater heute - Logo

Ein wenig ist das wie Wrestling, wie Schattenboxen da vorne auf der breiten Bühne des Velodroms; und dann kommen auch noch Ausdruckstanz-Verrenkungen dazu, wie man sie aus der Raumschiff-Orion-Disco kennt: So versucht Regisseurin Petra Wüllenweber in ihrer «Penthesilea»-Inszenierung am Regensburger Theater mit ein paar Schauspielern ein großes Schlachtengetümmel anzudeuten, mit sphärischem Gedudel unterlegt.

So weit, so hilflos, und man möchte die Augen schließen für die nächsten zwei Stunden, wenn Hellgrau (Kostüme) in Steingrau (Bühne) die (grauenhaften) Amazonen auf die (schwarz-weiße!) Männerwelt treffen im Taumel der Hiebe und Triebe vor Troja.

Doch dann merkt man, dass es eigentlich ziemlich egal ist, wie und warum sich das Kriegs­volk da zofft, im Staub wälzt und durch die Kulissen jagt: Diese nur durchschnittlich motivierten Feldherren und -damen sind und bleiben bis zum Ende nur Staffage für ein großes Solo, das die Schauspielerin Silke Heise an diesem Abend spielt. Ihre Penthesilea tritt heraus aus der Geschichte, die Heinrich von Kleist aus den antiken Bruchstücken wie ein Archäologe kunstvoll und idealisierend zusammengesetzt hat, und wird Schritt für Schritt, Satz für ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2007
Rubrik: Chronik, Seite 49
von Bernd Noack

Vergriffen
Weitere Beiträge
Eine teuflische Angelegenheit

Seinen «Parsifal» hat er ihn genannt: Thomas Manns Verhältnis zu seinem Roman «Doktor Faustus» war schon während des Schreibens hochemotional. Ein Erlösungswerk sollte es für den Künstler und dessen Leser sein, die Summe eines Lebenswerks, vielleicht gar ein letztes Wort, überpersönlich und zugleich sehr privat, ja intim. Die imaginierte Lebensgeschichte des...

Nah an den Nerven

Die Gestalt, die da mit dem Rücken zum Publikum an der Brandmauer steht, während die anderen sich auf der Bühne formieren und wie aus einer Probensituation heraus auch schon zu reden beginnen, ist die spannungsvollste von allen. Obwohl man ihr Gesicht noch lange nicht sehen wird, begreift man sofort: Die Frau, die mit unruhigem Kreidestrich irgendwelche...

Voll heutig, mit Bedeutungsformel

In diesem «Ödipus» geht ein gezackter, mit Glas oder Plexiglas bedeckter Graben durch den Zuschauerraum (Bühne Karl-Ernst Herrmann). Wie ein Blitz des Zeus! Ob der tatsächlich mit Licht gefüllt wird? Oder Blut? 

Die Zuschauerrampe ist schwarz und steil abfallend, die Bühne steht auf einem Metall­gerüst, das wiederum im Wasser steht, und ist schwarz und steil...