Haltestelle Dreiunglücksweg
Wir Deutschen lieben die Buddenbrooks. Angeblich sei es unser tollster Roman, haben irgendwelche Demoskopen berechnet. Dabei geht es in diesem Buch doch neben der langatmigen Beschreibung von Backenbärten, Tapeten, Vatermördern, Salons, Überziehern, Händen und Büffets im Kern um das Versagen der materialistischen Denkungsart, also um das Scheitern unseres kapitalistischen Systems.
Denn erzählt dieser Roman nicht sehr präzise, wie das Streben nach Wohlstand die Menschen so deformiert, dass sie aus emotionaler Unfähigkeit schließlich auch ökonomisch scheitern? Und das soll des Deutschen Lieblingsbuch sein, bei nur 0,9 Prozent Wachstum und dauerndem Gejammer?
Und dass man den Schinken von 1901 jetzt wieder hervorholt und fürs Theater adaptiert, gerade als der Mittelstand und die Familienunternehmen in schöner Eintracht zwischen Regierung, Wirtschaftsblättern und Globalisierungsgegnern zu den Lichtgestalten des Kapitalismus gegen die Hedge-Fonds-Heuschrecken erkoren wurden, ist auch nicht fair. Die letzte Hoffnung eines humanen Wirtschaftshandelns, die verantwortlich tätige Unternehmerpersönlichkeit, darf gerade jetzt nicht als aussichtsloses Modell demaskiert werden, wie Thomas Mann ...
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Für das Theater zu schreiben, ist ein eigenes Ding, und wer es nicht durch und durch kennet, der mag es unterlassen», meinte Goethe am 4.2.1829 zu Eckermann. Diese Maxime ließe sich leicht in «für das Theater zu übersetzen» umformulieren, und leider ist sie noch zutreffender, wenn es um das Schreiben über Theaterübersetzungen geht. Allzu oft gewinnt man den...
Eigentlich ist das ja Etikettenschwindel: Da wird im Programmheft die Uraufführung der Frank-Günther-Übersetzung von «Heinrich V.» angekündigt, und dann lässt die Strichfassung davon außer den erzählerischen Passagen des Chorus fast nichts übrig. Reklamieren will man trotzdem nicht, denn das Ganze fügt sich bemerkenswert schlüssig ein in eine Aufführung, die...
Wenn er langsam sein Maul öffnet, wird klar, dass der Fisch, den der Sushi-Meister gerade ohne Verletzung der inneren Organe kunstvoll filetiert, noch lebt. Selbst in Japan ist diese Art der Zubereitung und der quasi kannibalistische Akt des Verzehrs, den Malte Jaspersen in seinem Radiofeature «Sushi. Vom Erlebnis, in Japan essen zu gehen» (SFB 2001) beschreibt,...
