Der Schuld-Komplex

Das Festival Theaterformen setzt sich nicht nur künstlerisch mit postkolonialen Verhältnissen auseinander, sondern auch mit den eigenen Produktionsbedingungen

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Es gibt also ein Problem im Theater in Afrika», erklärt Dieudonné Niangouna in seinem Essay «Acteur de l’ écriture», «und zwar deshalb, weil der Markt auf diesem Kontinent vom Blick der westlichen Programmgestalter abhängt. Die Künstler sind die Hauptprotagonisten einer Geschichte, die niemals die ihre ist. Das nennt man die Weiterführung der Kolonialisierung.

»

Man muss die Perspektive des kongolesischen Theatermachers nicht in aller Radikalität teilen, um die paradoxe Lage zu verstehen, in die sich ein hochdotiertes europäisches Theaterfestival bringt, das die postkolonialen Verstrickungen zwischen Europa und Afrika reflektieren will. Formell ist die Kolonialzeit und die Weltordnung, die sie hervorgebracht hat, seit Anfang der 1960er Geschichte. Doch die tiefgreifenden politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und psychologischen Konflikte, die sie auf dem afrikanischen Kontinent hinterlassen hat, erweisen sich bis heute als lösungsresistent. Historisch kann Europa auf die Tradition der humanistisch-liberalen Werte, für die es derzeit vor allem rhetorisch einsteht, also nicht allzu weit zurückblicken. Und selbst wenn sich seine ereignisreiche Kriegsgeschichte im engeren Sinne ...

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Theater heute August/September 2018
Rubrik: Festivals, Seite 18
von Anja Quickert

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