Affentheater

Brecht/Weill «Die Dreigroschenoper»

Theater heute - Logo

Das Leben ist ein Hamsterrad. Und wer nicht in Tritt und Übung bleibt, den haut es aus der Kurve. Das weiß Jonathan Jeremiah Peachum, Bettlerkönig von London, der im Stuttgarter Schauspiel in einem überdimensionalen Hamsterrad seine Runden dreht. Schließlich ist der Mann ein arrivierter Businessman, der als Geschäftsmodell den Pöbel der Hauptstadt dirigiert. Und weil es um die Analogie des emsigen Tierchens geht, kommt dieser Peachum (Rainer Philippi) in braunem Cord, mit Zottelhaar und dem Blick eines Nagers daher. Möhren sind natürlich sein bevorzugtes Genussmittel.

Auch Mackie Messer (Johann Jürgens), seines Zeichens Obergangster und unerwünschter Schwiegersohn von Herrn Peachum, erinnert an die Tierwelt: Sein bürstiger Haarschnitt lässt Igelassoziationen aufkommen, das Auftreten orien­tiert sich an dem eines brünstigen Jungbullen, und wenn er im Gefängnis an der Leine liegt, ist auch der Kettenhund nicht weit.

Sebastian Baumgarten hat jedenfalls, so möch­te man glauben, ein Herz für Tiere. An den Anfang seiner Inszenierung der «Dreigroschenoper» stellt er denn auch keine Menschen, sondern drei Affen in Anzug, Arztkittel und Uniform, die – aus einer fernen Zeit zugeschaltet – ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Oktober 2014
Rubrik: Chronik Stuttgart, Seite 68
von Kristin Becker

Weitere Beiträge
Die Banalität des Bösen

Bekannt wurde die 1977 geborene Rumänin Gianina Carbunariu durch ihre Arbeiten als Autorin und Regisseurin in der Freien Szene. Ihre jüngsten Performances aber entstanden zunehmend als internationale Koproduktionen in Repertoiretheatern. Kürzlich erhielt sie auch den renommierten rumänischen Theaterpreis UNITER für dokumentarisches Theater (der eigens für ihre...

Gefängnis Dänemark

Es ist ist wie mit Kindern, wenn sie spielen, dass sie gerade eine Prinzessin oder eine böse Hexe sind. Ernst ist es natürlich auch, schließlich musste man als Zuschauer ja das Handy abgeben und wurde wie am Flughafen kontrolliert. Die Strafgefangenen, die in den folgenden vierzig Minuten durch die Zuschauerreihen gehen, können auch Kontakt mit der Außenwelt...

Suchlauf · TV-Tipps

6./Montag
20.15, arte: Die Wand Spielfilm (2011) von Julian Roman Pölsler nach Marlen Haushofer, mit Martina Gedeck, Karl Heinz Hackl, Hans-Michael Rehberg, Wolfgang Maria Bauer u.a.
(vgl. TH 4/2012)
21.55, arte: Faust russischer Fernsehfilm (2011) von Alexander Sokurow nach
Goethe, mit Johannes Zeiler, Anton Adassinski, Isolda Dychauk, Hanna Schygulla, Florian...