Theaterheimat
Was ist bemerkenswert? Neben all dem wunderbar gespielten und intelligent durchdachten Großstadttheater, das die Theatertreffen-Auswahl wie jedes Jahr beherrscht, sollte man auch bemerken, dass das deutsche Stadttheater gelegentlich ein paar Anstrengungen unternimmt, um aus seinem Lieblingsbereich, dem intellektuell aufgeschlossenen Spätbürgertum, auszubrechen und von seiner Lieblingsaufgabe, der aufklärenden Unterhaltung und produkti-ven Verunsicherung, abzuweichen, und sich neue Zielgruppen und Aufgaben sucht.
Das hat oft etwas Willkürliches, Plötzliches, meist mangelt es an Kontinuität. Aber dass durch die deutschen Stadttheater mal wieder eine Welt sozialen Verantwortungsgefühls geht, ist eine Bemerkung wert.
Das Schauspiel Essen ist hier relativ früh und eifrig vorgeprescht. Nach einem halben Jahr Vorbereitungsarbeit hatte am Ende der letzten Spielzeit das Projekt «Homestories» mit Jugendlichen aus dem Essener Stadtteil Katernberg Premiere. Der Regisseur und Autor Nuran Calis hat zusammen mit der Theaterpädagogin Ines Habich ein Programm erarbeitet, in dem die Jugendlichen ihre eigenen Geschichten erzählen, Geschichten aus der Heimat, wo immer die ist oder war: Angola, ...
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Ich wurde noch nie wirklich gebraucht», lamentiert Artikel 18. In der von Harald Siebler produzierten Grundrechte-Verfilmung «GG 19 – 19 gute Gründe für Demokratie» hat Artikel 18 die Gestalt von Josef Ostendorf. Und das ist – gerade zum Auftakt des sonderbaren Unterfangens eines Grundgesetzfilms – eine verführerische Idee: Der Artikel selbst wird zur handelnden...
Im Grunde schreibt Elfriede Jelinek schon lange keine Stücke mehr. Sie stellt Textblöcke zur Verfügung, aus denen bei entsprechender Behandlung Theater werden kann. Sie sind dabei nicht zimperlich, diese Texte, im Gegenteil, sie wollen hart rangenommen werden. Dafür sind sie aber auch zu allem bereit und gänzlich uneitel, wenn es darum geht, sich offensiv benutzen...
Wer selbst beim Theatertreffen jahrelang mitjuriert hat, kennt das Haut-die-Jury-Spiel vom eigenen Buckel. Im Grunde ist es müßig: Denn immer haben sich die Juroren bei ihren verwickelten Entscheidungsprozessen etwas gedacht. Aber manchmal fragt man sich doch: was eigentlich? Warum haben sie sich unter den drei «Orestien» der Saison (Berlin, Leipzig, Frankfurt)...
