Aufschlussreiche Geheimdienstkomparatistik
Er war nicht mal siebzehn Jahre alt, als er in seiner rumänischen Heimatstadt Botosani im September 1981 mit Kreide einen Aufruf an die Mauer des Kulturhauses schrieb: «Bürger, es geht um Recht und Freiheit in unserer Gesellschaft.» Die Securitate nahm 40.000 Schriftproben, um Mugur Calinescu zu ermitteln. Zwei Jahre später erkrankte er an Leukämie, und dafür eigens bestrahlte Lebensmittel könnten die Ursache gewesen sein. 1985 starb der junge Mann, dem Gianina Carbunariu nun das Stück «Tipografic Majuscul» (Schrift in Großbuchstaben) gewidmet hat.
Unbewältigte Vergangenheiten
Die Autorin wollte am Teatrul Odeon Bukarest nicht nur diese erschütternde Geschichte erzählen, sondern auch herausfinden, wie man überhaupt die Akten für eine solche Darstellung zum Sprechen bringen kann. Schließlich sind sie aus der Perspektive der Verfolger abgefasst und daher eben einseitig. Andererseits verraten sie heute auch mehr und anderes, als damals beabsichtigt. Die Angst zum Beispiel, in der Lehrer und Mitschüler passende Aussagen liefern.
Carbunariu lässt dafür auf der weitgehend dunklen Bühne Mugurs originales Schriftbild
immer wieder auf die fünf Darsteller in wechselnden Rollen projizieren – ...
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Theater heute November 2013
Rubrik: Magazin: Festival, Seite 68
von Thomas Irmer
Weißt du womit ich mich neuerdings beschäftige?», fragte ein Freund, der für ein Moskauer Theaterfestival arbeitet. «Ich schreibe den Eingeladenen. Ich überrede sie, nach Moskau zu kommen. Der eine ist schwul, und ein anderer auch … Ich muss denen erklären, dass man dafür in Russland weder verprügelt noch eingesperrt wird, und dass wir hier nicht alle homophob...
In der Nacht zum fünfzehnten August, etwa ein Monat vor seinem Tod, erzählte mir Otto Sander im Traum, daß sein erster Auftritt in der darstellenden Kunst bereits 1941, kurz nach seiner Geburt, stattgefunden habe. An der Seite des damals berühmten Paul Kemp sei er in den Anfangssequenzen eines Ufastreifens das schreiende Baby, ein Findelkind, gewesen, das den...
Jede noch so verschmockte Theaterperformance muss »interaktiv« sein, muss ihre Zuschauer zu Akteuren machen, muss die Bedingungen ihrer Produktion und ihren Realitätsstatus reflektieren. Überhaupt wird im Theater – die analogste und deshalb gemäß der paradoxen postmodernen Vernunft zugleich konservativste und politischste Kunstform – wenig dem Zufall überlassen....
