Mut zur Provinz!

Sie produzieren das Schwarzbrot des Theaters: die 24 deutschen Landesbühnen, die tagein, tagaus die Stadt- und Turnhallen in Orten, die fast keiner kennt, mit Bühnenkultur beliefern – Helden des Alltags und der Straße. Begleitet wurden sie von Bruchsal nach Ehingen und Bad Rappenau von Bernd Noack

Theater heute - Logo

Ghorban Moinzadeh ist Schauspieler. Er kommt aus dem Iran und hat dort, als es die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse noch erlaubten, sogar Brecht gespielt. Das ist lange, sehr lange her. Über 20 Jahre, die er nun schon in Bruchsal verbracht hat. Hier ist er nach seiner Flucht aus der Heimat auch wieder beim Theater gelandet, an der Badischen Landesbühne, und sogar Brecht hat er da schon gespielt. Aber nur noch selten. Wenn er überhaupt mal auf der Bühne in seinem wirklichen Beruf arbeitet, dann sieht man ihn meist in Nebenrollen.

Und das auch nur, wenn es sein Zeitplan erlaubt. Einmal hatte er in Deutschland eine Hauptrolle, da hat man ihn  ­– natürlich – in «Dreck» von Robert Schneider besetzt. Das lag auf der Hand: das orientalische Aussehen, das gebrochene Deutsch, das Fremdsein, das Moinzadeh eigentlich gar nicht spielen musste, weil man ihm das heute immer noch irgendwie ansieht. Aber tatsächlich ist er glücklich hier und längst zuhause, in Bruchsal und an der Landesbühne.

Ghorban Moinzadeh klettert in die Fahrerkabine eines 20-Tonnen-Lkw, zündet sich eine Zigarette an und startet den Motor. Er hat heute eine Strecke von 173 Kilometern vor sich, verkündet ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2011
Rubrik: Fahrendes Volk, Seite 6
von Bernd Noack

Weitere Beiträge
Die Sympathiefrage

Selten so einen schönen Spaziergang gemacht. Üppige Ahorn-Alleen säumen die Wege, zwischen viel wucherndem Grün verstecken sich übersichtliche zweigeschossige Wohn­zeilen aus den 30er Jahren, ein idyllischer Fußballplatz schmiegt sich in eine Senke; hinter einer halbhohen Mauer verschwindet der Verkehrslärm, nur ein bisschen Stacheldraht obendrauf stört die...

Fun with Art

Laura de Weck ist gerade 30 geworden und macht gerne wenig Worte um Weniges.
Die Worte sitzen dann in aller Schlichtheit so präzis ineinander wie korrekt verschraubte
Ikea-Möbel. Sie erzählt mit trockenem Witz kleine Geschichten, die jeweils in Rekordkürze
und mit einem Rekordreduktionismus zwar noch nicht zum großen Gesellschaftsentwurf, aber doch immerhin zu...

Ein ganz anderes Arbeiten

Bernd NoackHerr Zehelein, Sie engagieren sich als Präsident des Deutschen Bühnenvereins sehr für die Landesbühnen. Was fasziniert Sie denn so besonders daran?

Klaus ZeheleinLandesbühnen sind keine Wandertheater, die Gastspiele absolvieren, sondern sie sind Theater für jene Regionen, die nicht über feststehende Theater verfügen. Im Gegensatz zu den Tournee-Theatern...