Das Geld, die Liebe und die Kinder
Auch im sozialen Abseits muss es glückliche Zufälle geben. Maria und Jesus Maria beispielsweise, das prekäre Zwillingspaar mit Migrationshintergrund – Mutter verwahrloste Alkoholikerin, der spanische Vater abgehauen –, lebt normalerweise von Gelegenheitsjobs und sinnt auf einen Juwelenraub. Doch für mehr als einen geklauten Goldring haben Mut und kriminelle Intelligenz bisher nicht gereicht. Da spült ihnen ihre Dramatikerin Dea Loher einen Lottogewinn vor die Füße: Juwelier Wunder (!) heuert sie für einen Versicherungsbetrug an, bei dem er ungeplant das Leben lässt.
Den beiden Glückskindern bleibt die Beute – und wenn sie nicht gestorben sind, dann prassen sie noch heute.
Dea Lohers «Gaunerstück» ist nicht nur von den Geschwisternamen her ein Post-Weihnachtsmärchen. Und kommt im leicht hallenden Erzählton ohne jede intellektuelle Weiterung aus. Kapitalismus- oder Konsumkritik wird offensiv durchgestrichen: Maria würde das Geld am liebsten nur so raushauen und als erstes einen Porsche kaufen. Sozialkritik durch lautes Jammern über milieubedingte Benachteiligung kommt ebenfalls nicht durch die Hotelzimmertür. Diesen beiden verpennten Losern hätte kein Bildungsprogramm der Welt ...
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Theater heute März 2015
Rubrik: Neue Stücke, Seite 24
von Franz Wille
Ungerufen steht sie da, wie aus dem Boden gewachsen. Yvonne, die Burgunderprinzessin. Die Hässlichkeit in Person. Ein ferkelrosafarbenes Hängerchen wölbt sich über fassrundem Bauch. Aus dem mit weißer Spitze verkleideten Ausschnitt wächst ein kurzer Hals, darauf sitzt der kräftige Schädel von Gottfried Breitfuss. Unter seiner lächerlich blonden Pagenschnitt-Perücke...
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Liebe dich selbst, und es ist egal, wen du heiratest. Letztlich scheint austauschbar, wen der Zufall als Lebenspartner vorbeispült. Da ist nur folgerichtig, dass sich Claudia Bauer weitmöglichst vom intimen Rededuell «Szenen einer Ehe» von Ingmar Bergman entfernt. Sie vervierfacht das Paar «Marianne» und «Johann» und treibt die Verallgemeinerbarkeit des...
