Ich fühle, also bin ich
Unheimlich wirkt Budapest in diesen ersten Filmbildern. Die Kamera folgt einem jungen Mädchen auf seinem Fahrrad durch die menschenleeren Straßen, vorbei an einem Auto mit offenen Türen; die Warnleuchten blinken. Plötzlich biegt in einer ebenso großartigen wie beängstigenden Massenchoreografie eine gewaltige Hundemeute um die Ecke und hetzt hinter dem Mädchen her. Ob sie es verfolgt oder ihm folgt, bleibt offen.
Mit «Underdog» hat der ungarische Regisseur Kornél Mundruczó gerade seinen sechsten Film in die Kinos gebracht, eine Parabel über den Aufstand einer gequälten Spezies gegen ihre (un-) menschlichen Unterdrücker. «White God», wie der Film im Original heißt, zitiert nicht nur im Titel J.M. Coetzees verstörenden Post-Apartheids-Roman «Schande», den Mundruczó 2012 in drastischen Bildern auf das Theater und die politische Situation in Ungarn übertragen hatte. Er entwickelt auch dessen zentrales Hunde-Motiv weiter: Am Umgang mit ihnen, den Abhängigsten und Ohnmächtigsten einer von Rassismus und Gewalt geprägten Gesellschaft, lässt sich der Status quo der «Humanität» am deutlichsten ablesen. Ausgezeichnet mit dem «Prix Un Certain Regard» in Cannes 2014 kommt der originelle ...
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Theater heute Juni 2015
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Anja Quickert
Egal, wie tief sich eine Aufführung in den Wahnsinn hineinarbeitet, am Ende bleibt bei «Macbeth» doch das Gefühl, dass man den Abgrund, in dem das Stück und das Ehepaar gleichen Namens versinken, verfehlt hat. «Macbeth» gilt als eher einfaches Shakespeare-Drama, vor allem wegen der einspännigen Handlung, trotzdem bleibt da etwas, was das Stück am Ende immer tiefer,...
Für einen Ort, an dem ein Theater der Superlative entsteht, sieht die Pastorijstraat 23 eher unscheinbar aus. Das Probenzentrum von Jan Fabres Performance-Truppe Troubleyn, benannt nach dem Mädchennamen seiner Mutter Helena, befindet sich im ehemaligen Antwerpener Arbeiterviertel nordöstlich des Hauptbahnhofs. Fabre ist hier um die Ecke aufgewachsen, als Sohn des...
August Engelhardt hatte das Pech der frühen Geburt. Der 1875 geborene Gründer des Sonnenordens, der von 1902 bis zu seinem Tod 1919 auf der eigens erworbenen Insel Kabakon in der Kolonie Deutsch-Neuguinea lebte, wäre dort hundert Fortschrittsjahre später wohl weniger einsam geblieben. «Heitere, jauchzende Sonnenkinder, die nichts zu ihrem Leben brauchen als...
