Wenn alle scheinen
Ensemble ist die gelebte Utopie einer solidarischen Gemeinschaft, in der jeder egoistische Ziele verfolgt unter dem Banner von künstlerischem Ausdruckswillen. Ensemble heißt zusammen. Wenn Theatermachen eine ständige Überforderung ist, ist es nur dieses Zusammen, das es ermöglicht, diese Herausforderung zu meistern.
Wenn man sich ein Ensemble näher anschaut, sollte es aus einer Ansammlung von verschiedensten und widersprüchlichsten Individuen bestehen. Wenn man Ensemble falsch schreibt und nicht so gut französisch kann, würde da stehen «un semble». Also vielleicht: Einer scheint.
Das ist falsch übersetzt, aber es stimmt: Ohne die ganzen Einzelnen, die scheinen wollen, gibt’s kein Ensemble, vielleicht eher eine Müsli-Gruppe. Aber ohne Ensemble kann auch der Einzelne nicht scheinen. Das ist wie ein Körper mit Kopf und Armen, Beinen und Bauch. Was man diesem Körper geben muss, ist Nahrung und Herausforderung, sonst wird er entweder schwach und lahm oder träge.
Ensemble ist die Voraussetzung für Zusammenspiel und für Entwicklung. Vielleicht nicht für Erfindung, die oft von Einzelnen geleistet wird, aber für alles, was danach kommt – für die Vervollkommnung.
Wahrscheinlich geht Theater ...
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Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Der Ensemble-Konsens, Seite 70
von Sebastian Rudolph
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