Menschen im Regal
Man wird Erwin Strittmatter keinen übertrieben komplizierten Blick auf die Welt vorwerfen können. Der 1994 verstorbene Autor war fest verwurzelt in seinem dörflichen Niederlausitzer Umfeld, das er in seiner Romantrilogie «Der Laden» von den zwanziger bis in die fünfziger Jahre beschaulich ausbreitet. Eng am eigenen Leben gearbeitet, liefert der elterliche Kolonialwarenladen im imaginären «Bossdom» (eigentlich Bohsdorf) den zentralen Erzählanker, an dem sich knapp ein halbes Jahrhundert Familien- und Ortsgeschichte andockt.
Strittmatters Alter Ego Esau Matt formuliert sich metaphernfroh nah an der Scholle in seinen Lebenstraum als Schriftsteller und blendet dabei etwaige Schattenseiten seiner bauernschlauen Existenz gerne aus: Weder Strittmatters Jahre in einem SS-Polizeibataillon während des Zweiten Weltkriegs noch seine spätere informelle Informantenliebe zur Stasi werden im Roman erwähnt.
In Fürst Pücklers Jugendstiljuwel an der Cottbusser Karl-Liebknecht-Straße bringt Schauspieldirektor Mario Holetzeck die Lokalhistorie in zwei Teilen auf die Bühne. Holger Teschke hat aus dem verzweigten Roman eine übersichtliche Dorfchronik gefiltert, die in einem klinisch weißen Bühnenbild ...
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Theater heute November 2012
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Franz Wille
«Warum nimmt ein Jude keine Schmerzmittel? – Weil der Schmerz dann aufhört.» Sollte man ruhig öfter probieren: Zum Auftakt eines Theaterabends ein paar Witze erzählen, so wie Natalia Belitski in der Box des Deutschen Theaters. Das lockert auf und wärmt an. Und verspricht im Fall von Marianna Salzmanns «Muttersprache Mameloschn» obendrein etwas, das auch gehalten...
Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.» So beginnt die Genesis, das erste Buch Moses, das erste Buch des Alten Testaments. Eine Schöpfungsgeschichte, die allererste Fragen klärt und ein paar grundsätzliche Herrschaftsverhältnisse gleich dazu. Hier gibt es nur einen Gott mit dem Anspruch auf Legitimität, nicht viele, die nebeneinander wirtschaften wie bei den in...
Franz Wille Wenn man sich das «Neue Riga Theater», desen Leiter sie sind, im Internet ansieht, sieht es ziemlich heruntergekommen aus, sehr staubig und baufällig.
Alvis Hermanis Das Haus ist ein Desaster. Vor ein paar Jahren hat mich Werner Herzog angesprochen, weil er bei uns im Haus einen Film drehen wollte, der in den 30er Jahren in Danzig spielt. Und er hat nur...
