Die Kompromisslose
Zuerst schiebt sich eine Hand – sie ist runzelig – ins Bild, die in einem Regal nach einer Tüte Milch greift. Eine alte Frau unter einem Kopftuch schlurft an die Ladenkasse und zahlt 49 Pence für das Lebensmittel. Margaret Thatcher kannte immer den Preis – den für Milch, den für die Prosperität Englands, den für die eigene Karriere und den für den Ruhm. Denis, ihr Ehemann (Jim Broadbent), ist längst tot, aber er sitzt mit am Frühstückstisch und teilt mit ihr das Geisterhaus der Erinnerungen.
Ihr Versuch, das Angesammelte in den Schränken und in den Ablagerungen ihres Gehirns zu entrümpeln, setzt die dramaturgische Mechanik dieser Film-Biografie in Gang. Dies und das Halluzinieren.
Die frühere Premierministerin leidet an Alzheimer. Von der Gegenwart des Gedächtnis–schwunds aus betreibt sie Selbstbeschau, ohne dass die Technik der Rückblende hier sonderlich souverän, originell und Erkenntnis stiftend bedient würde. (Wie sehr trägt im Vergleich Clint Eastwoods Montage-Methode in «J. Edgar» zur Entschlüsselung seiner Hauptfigur Hoover bei.) In «The Iron Lady» stellt sie unter der Regie von Phyllida Lloyd eher den Notnagel dar, an dem die verschiedenen Porträts der 1925 geborenen ...
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Theater heute März 2012
Rubrik: Magazin: Kino, Seite 60
von Andreas Wilink
Im Prolog seines «Puntila und sein Knecht Matti» verspricht Brecht Spaß «zentnerweise» und warnt, hier werde mit dem Beil gearbeitet. Irgendwie muss seitdem eine Spaßmaßinflation stattgefunden haben. Brechts Zentner sind heute Gramm. Bei Herbert Fritsch gibts Späße tonnenweise, und gearbeitet wird mit dem Kalauer. Grotesk, ohne Fabel, ohne Figuren, mit der...
Oh, wie schön war es in Chioggia, als es Nuran David Calis noch nicht zu einem Schnellrestaurant gemacht hatte. Was im 16. Jahrhundert noch ein redlicher Fisch war, ist heute allenfalls ein Hamburger, so traurig ist die Gegenwart. Toilette und Küche der Kneipe, wo mal choreografiert geprügelt, mal heimlich geraucht wird, werden per Live-Kamera ebenfalls nach vorne...
Es ist für uns unglaublich schwierig, diese Stelle kompetent zu besetzen.» Ist hier die Rede von einer Hauptdarstellerin oder einem neuen Chefdramaturgen? Nein: Tobias Veit, der künstlerische Produktionsleiter der Berliner Schaubühne, stöhnt über die nicht enden wollende Suche nach einer neuen Souffleuse.
Wie schwer kann es schon sein, mit dem Textbuch in der Hand...
