Flüstern war gestern
Es ist für uns unglaublich schwierig, diese Stelle kompetent zu besetzen.» Ist hier die Rede von einer Hauptdarstellerin oder einem neuen Chefdramaturgen? Nein: Tobias Veit, der künstlerische Produktionsleiter der Berliner Schaubühne, stöhnt über die nicht enden wollende Suche nach einer neuen Souffleuse.
Wie schwer kann es schon sein, mit dem Textbuch in der Hand Schauspielern vorzusagen, wenn sie nicht weiterwissen? Die perfekte Souffleuse, sagt Veit, soll sensibel und empathisch sein – aber ein dickes Fell haben; sie darf um Himmels Willen den Probenprozess nicht stören, soll unsichtbar sein – aber innerlich jede Sekunde beteiligt; sie muss «mit dem Schauspieler mitatmen und ihm den Text eingeben» – aber nur, wenn er ihn wirklich braucht. Auch der künstlerische Leiter der Schaubühne Thomas Ostermeier formuliert höchste Ansprüche an die Souffleuse: Er beschreibt sie als «Trainerin», die «nicht vorwurfsvoll souffliert, sondern den Schauspieler klug unterstützt, psychologisch aufbaut». Lars Eidinger, Schauspieler am selben Haus, sieht das ähnlich: Im Idealfall sei sie eine Art «Schwimmlehrerin, die am Beckenrand mitläuft und Kommandos gibt», während man die Bahnen zieht. Zu wissen, ...
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Theater heute März 2012
Rubrik: Akteure, Seite 41
von Barbara Behrendt
Das Thalia Theater hatte mich gebeten, für Helmut Schmidt ein Stück zu spielen. Ganz privat, in seinem Haus in Langenhorn. «Welches Stück? In was für einem Raum?», fragte ich. «Eines von deinen Solo-Programmen. In seinem Wohnzimmer. Dreißig Minuten Zeit für die Einrichtung.» Gut, dachte ich, dann machen wir «Amerika» von Kafka.
Das Vorhaben schien unwirklich, doch...
Als Jean-Pierre Cornu ein Knabe war, da hatte er vor sich den See und hinter sich den Weinberg. Da lebte er in Twann am Bielersee, in einem jener lauschigen Schweizer Winzerdörfer, wo es sehr guten Wein und sehr gute Würste gibt. Und wie es so ist in Twann, wird dort Schweizerdeutsch und Französisch gesprochen, und jede Jahreszeit ist lieblicher und das Leben ein...
Am Anfang war die Vorhaut, und sie war schnell weggeschnitten. Rituale haben an diesem Abend Konjunktur. Es geht um Juden, Christen, Antisemitismus und Shakespeare. Barry Kosky und seine Dramaturgin Susanne Goldberg haben den «Kaufmann von Venedig» radikal zusammengestrichen. Sie verzichten auf einen Teil der Schauplätze, Handlungsstränge und Figuren und haben dem...
