Köln
Im Prolog seines «Puntila und sein Knecht Matti» verspricht Brecht Spaß «zentnerweise» und warnt, hier werde mit dem Beil gearbeitet. Irgendwie muss seitdem eine Spaßmaßinflation stattgefunden haben. Brechts Zentner sind heute Gramm. Bei Herbert Fritsch gibts Späße tonnenweise, und gearbeitet wird mit dem Kalauer. Grotesk, ohne Fabel, ohne Figuren, mit der Artistik des Kabaretts – so beschreibt Brecht die literarische Revue seiner Zeit. Für seinen «Puntila» hat er davon einiges übernommen. Fritschs Inszenierung reduziert das Stück auf diese Elemente.
«Billige Delikatesse» nannte Brecht das.
Fritschs Schauspielerentfesselungstheater wird spannend, wenn es auch die geistigen Ketten löst, an denen ein Stück liegt. Wie einst bei Molières «Tartuffe» in Oberhausen: von der eloquenten Charakterkomödie zum wilden Affentanz. Bei Brechts «Puntila» bewirkt die Methode keine Befreiung des Stücks, sondern nur Potenzierung, Steigerung des Vorhandenen und Einebnung, Verflachung der Gegensätze. Fritsch will einen Energiestrahl ins Publikum schicken. Das ginge mit Wechselstrom besser als mit dem Gleichstrom der maximalen Drehzahl.
Charly Hübner ist ein Puntila, nicht zwei. Betrunken wie nüchtern ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2012
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Gerhard Preußer
Oh, wie schön war es in Chioggia, als es Nuran David Calis noch nicht zu einem Schnellrestaurant gemacht hatte. Was im 16. Jahrhundert noch ein redlicher Fisch war, ist heute allenfalls ein Hamburger, so traurig ist die Gegenwart. Toilette und Küche der Kneipe, wo mal choreografiert geprügelt, mal heimlich geraucht wird, werden per Live-Kamera ebenfalls nach vorne...
Alle drei Abschnitte des neuen Stücks von Philipp Löhle (Jahrgang 1978) heißen «Kr(e)ise». Also Krise und Kreise. In elliptischen Bewegungen zirkulieren die vier Angehörigen einer Familienbande umeinander, wie Satelliten um ihre Planeten, allerdings in wechselnden Konstellationen. Und auch wenn keine Sonne scheint.
Das «Außerkraftsetzen der Endkrise durch die...
In der «Zeit» hat sich der Autor F.K. Mafhys einmal grundlegende Gedanken darüber gemacht, ob der Sport in Shakespeares Leben und Stücken eine besondere Rolle spielt. Sieht man davon ab, dass für den Dichter auch schon Bärenfang oder die Jagd von Fischen, Hasen und Fasanen zum leibesertüchtigenden Zeitvertreib zählten, so finden sich in den Dramen doch tatsächlich...
