Sehnsucht nach Widerstand
«Robespierre, möchtest du mit mir in der Seine baden gehen?» Diesen Spruch schrieb Olympe de Gouche vor mehr als 200 Jahren an die Wände des revolutionären Paris. In den Unruhen schlug sich die junge Witwe und alleinerziehende Mutter als Prostituierte durch und: Sie mischte sich ein. Gegen die «Erklärung der Rechte des Mannes und des Bürgers» schrieb sie ihre «Erklärung der Frauen und der Sklaven», in der sie Freiheit und Gleichheit für die gesamte Gesellschaft einforderte. Olympe de Gouche rebellierte gegen die Revolutionäre und endete dafür auf dem Schafott.
Olympe de Gouche ist eine der zahlreichen historischen Gestalten und Verweise in Darja Stockers neuem Theaterstück «Zornig geboren».
Sophie ist intelligent und gutaussehend. Die Welt scheint ihr offen zu stehen. Doch in der champagnerlaunigen Metropolenszene fühlt sie sich fremd und «an der Kante», unter ihr, öffnet sich «ein schwarzes Loch, die Sterne in Herden an seinem Ufer versammelt zur Tränke».
Sophies Vater Thomas ist Lehrer. Für ihn sind Erziehung und Aufklärung letzte Kämpfe einer schon verlorenen Rebellion. Seinen Schülern versucht er, die Zusammenhänge von Politik und Wirtschaft zu vermitteln. In den ...
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Theater heute Jahrbuch 2008
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 176
von Andrea Koschwitz
Und in den Nächten liegen wir stumm» ist das dritte Stück des 1981 in Gera geborenen Autors Thomas Freyer. Sein mehrfach ausgezeichneter Erstling «Amoklauf mein Kinderspiel» lässt drei Jugendliche aus dem Osten der Republik zu Wort kommen. Sie erzählen von ihrer Orientierungslosigkeit in einem Land, das ihren Eltern wie ihren Lehrern fremd ist. In dem sie weder...
Ensemblesolist – das ist ein Fundstück, ein Ausdruck, mit dem schon vor Jahren ein Kritiker Ulrich Matthes beschrieben hat, und da ist was dran. Solist klingt für Theaterleute ja nicht so angenehm, eher eitel. Da will sich einer nicht fügen und ist sich selbst genug. Musiker hören das anders, und Ulrich Matthes ist sehr musikalisch. Er ist ein überzeugter...
Eine junge Frau begegnet einem Koffer: «Sein Griff, sein langer Griff, zieht meine Hand an. /Passgenau. / Ich geh weiter. / Einfach weiter. / Der Koffer rollt hinter mir her. / Leise und leicht.» Das Bild vom Koffer, der sich offenbar eine neue Herrin sucht, erschien mir sofort einleuchtend, vielleicht weil ich als Kind bei jedem scheinbar herrenlosen Hund hoffte,...
