Draußen ist feindlich
Und in den Nächten liegen wir stumm» ist das dritte Stück des 1981 in Gera geborenen Autors Thomas Freyer. Sein mehrfach ausgezeichneter Erstling «Amoklauf mein Kinderspiel» lässt drei Jugendliche aus dem Osten der Republik zu Wort kommen. Sie erzählen von ihrer Orientierungslosigkeit in einem Land, das ihren Eltern wie ihren Lehrern fremd ist. In dem sie weder Halt noch Unterstützung finden. Dessen Freiheiten und Möglichkeiten sie nicht beflügeln, sondern bedrohen. Bis sie allem, was sie umgibt, den Krieg erklären, zu den Waffen greifen und töten, was sich ihnen in den Weg stellt.
In «Separatisten» verweigern sich Bewohner einer Plattenbausiedlung ihrer eigenen «Abwicklung». Als ihr Viertel abgerissen werden soll, schotten sie sich ab, bilden ihr eigenes, autonomes «gallisches Dorf» im deutschen Staat und versuchen, sich so von den Kontroll- und Manipulationsmechanismen von Regierung und Medien zu befreien. Es sind Figuren mit starkem Selbstbehauptungswillen. Seht her, uns gibt es noch! Wir sind nicht abwickelbar, wir haben ein Leben!
Die Außenwelt, in der sich Thomas Freyers Protagonisten bewegen müssen, ist immer feindlich, kalt und roh, das ist all seinen Stücken gemein. Nur ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2008
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 157
von Robert Koall
... für Bernd Wilms, den scheidenden Intendanten des Deutschen Theaters in Berlin, ist die diesjährige «Theater heute»-Umfrage unter 37 Kritikern: Zehn von ihnen krönen die Hauptstadtbühne, letztes Jahr noch auf Platz 2, zum Theater des Jahres (sieben sehen Frank Baumbauers Münchner Kammerspiele vorne; auf vielversprechenden dritten Plätzen mit je 3 Stimmen: die...
Eine Zweite, die schon oft Erste war, ist Sandra Hüller. In Tom Lanoyes Antikenbearbeitung «Mamma Medea» lehrt die Nachwuchsschauspielerin des Jahres 2003 als kolchische Königstochter nicht nur die Korinther das Gruseln. Hüllers radikal Liebende scheitert in der (ihrerseits zweitplatzierten) Inszenierung von Stephan Kimmig von Anfang an daran, Liebe und Identität...
Es spricht für ein gründlich aufbauendes und gleichzeitig selbstloses Timing, wenn ein Theater im siebten und letzten Jahr einer Intendanz zum Theater des Jahres wird. Dem Deutschen Theater unter der Leitung von Bernd Wilms ist dieses Kunststück des bedächtigen Aufstiegs gelungen. Nicht einmal der Lawinen-Hinterhalt des ehemaligen Berliner Kultursenators Thomas...
